Brüssels ideologischer Wahn kostet Wälder und Menschenleben

Anti-russische EU-Sanktionen lassen Spanien und Portugal im Feuerinferno allein, denn die EU bietet zwar viel anti-russische Ideologie, verhindert damit aber praktische Hilfe gegen die Feuer.

Von Rainer Rupp

Während in Spanien und Portugal die Wälder in Flammen aufgehen und Hunderttausende Menschen flüchten müssen, sitzen zehn der leistungsstärksten Löschhubschrauber der Iberischen Halbinsel am Boden – und das nicht etwa, weil sie defekt wären oder die Piloten fehlten. Nein, sie stehen still, weil die Europäische Kommission in Brüssel mit ihren anti-russischen Sanktionen die Wartung und den Ersatzteilnachschub unmöglich gemacht hat. Das ist kein technisches Detail, das ist ein Skandal von erschütternder Dimension.

Die russischen Ka-32-Hubschrauber, die privaten spanischen Unternehmen gehören und jahrelang im Rahmen staatlicher Aufträge bei Großbränden im Einsatz waren, gelten als einer der effektivsten schweren Löschhubschrauber der Welt. Doch seit der Aussetzung des europäischen Flugzertifikats und den Sanktionen gegen den Hersteller JSC Kamow dürfen die Betreiber weder Ersatzteile beschaffen noch russische Fachkräfte für die Wartung hinzuziehen.

Gleichzeitig dürfen die amphibischen Beriev Be-200 Wasserflugzeuge – Maschinen, die in nur 14 Sekunden 12.000 Liter Wasser aufnehmen können – in der EU nicht eingesetzt werden. Alles wegen Sanktionen, die angeblich "Putins Regime bestrafen" sollen, in Wahrheit aber spanische und portugiesische Feuerwehrleute und die Bevölkerung treffen.

Die Zahlen sprechen eine gnadenlose Sprache: In Spanien brennen bereits über 80.000 Hektar, in Frankreich mehr als 42.000 Hektar und jeden Tag werden es mehr. Über 320.000 Menschen mussten ihre Häuser bereits verlassen. Die Flammen fressen sich mit einer Geschwindigkeit von bis zu sechs Kilometern pro Stunde durch die Landschaft – während Feuerwehrleute am Boden nur 300 Meter pro Stunde vorrücken können. Spanien hat den Notstand ausgerufen, in Frankreich jagt eine Krisensitzung die nächste. Und was macht Brüssel? Es aktiviert das Krisenreaktionszentrum ERCC, ermutigt einige Mitgliedstaaten ein paar Löschflugzeuge zu schicken und lässt die zuständige Kommissarin Hadja Lahbib zwei Tweets absetzen. Mehr "Minimum" kann es bei diesem EU-Hilfe-Service gar nicht geben.

Ein EU-Kommissionsmitglied hat laut "Lost in EU" sogar offen eingestanden, dass "diese Brände unsere Kapazität übersteigen". Europa sucht händeringend nach zusätzlichen Flugzeugen und Hubschraubern. Kanada schickte fünf Maschinen, aus Deutschland und der Türkei sollen weitere kommen, aber das verzögert sich, weil man auch dort mit größeren Bränden konfrontiert ist. Mehr als 770 Feuerwehrleute aus 14 Ländern stehen bereit. Doch gleichzeitig bleiben die russischen Ka-32 in Spanien am Boden – und in Portugal hat man die eigenen, durch Sanktionen lahmgelegten russischen Hubschrauber sogar noch großzügig an die Ukraine verschenkt. Jetzt stehen die Portugiesen mit ausgedünntem Arsenal da und schauen zu, wie ihre Wälder verbrennen.

Das ist die bittere Realität der EU-Wildfire-Strategie, die im März 2026 mit großem Tamtam als "Paradigmenwechsel" gefeiert wurde: weg von der reinen Brandbekämpfung hin zur Prävention. Vier Monate später brennt der Süden Europas lichterloh, und die schönen Pläne stehen größtenteils auf dem Papier. Die Kommission wollte Bauern und Förster dafür bezahlen, Wälder auszudünnen, Vieh weiden zu lassen und aufgegebene Flächen wiederherzustellen. Feuchtgebiete und Moore sollten als natürliche Brandschneisen dienen.

Doch Umweltkommissarin Jessika Roswall erklärte im Mai klipp und klar, man plane "keine neuen Initiativen zur Waldwirtschaft" und "keine zusätzlichen Indikatoren oder Leitlinien". Stattdessen greift man erneut zu denselben Notfallinstrumenten, von denen die Kommission selbst gesagt hatte, sie reichten längst nicht mehr aus: der kleine Bestand von Löschflugzeuge in EU-Mitgliedsstaaten, grenzüberschreitende Teams und Zivilschutzressourcen.

Die politische Aufmerksamkeit und das Geld fließen traditionell erst nach den Katastrophen. Präventive Landschaftspflege braucht Jahre nachhaltiger Investitionen – und die bleiben aus. Gleichzeitig blockiert eine Minderheit im Rat, angeführt von Schweden, Finnland und oft unterstützt von Frankreich, jede stärkere EU-Regulierung der Forstwirtschaft. Paris hat 2024 sogar das Renaturierungsgesetz ausgebremst und pocht darauf, dass nachhaltige Waldbewirtschaftung nationale Sache bleibe. Das Ergebnis: Monokulturen aus Kiefern und Eukalyptus, die wie Zunder brennen, und eine Forstindustrie, die ihre Profite privatisiert, während die Gesellschaft die enormen wirtschaftlichen, klimatischen und gesundheitlichen Kosten trägt.

Martin Pigeon von der NGO Fern bringt es auf den Punkt: Die Brände in den Kiefernplantagen der Gironde seien "absolut vorhersehbar" gewesen. Gebiete, die vor vier Jahren schon einmal brannten, wurden erneut mit Kiefern aufgeforstet. Die Mainstream-Forstwirtschaft sei in einem Monokultur-Kahlschlag-Zyklus gefangen, dessen Kosten die gesamte Gesellschaft trage.

Und während all das geschieht, hält Brüssel starr an den Sanktionen fest. Eine vorübergehende Ausnahme für die Löschhubschrauber? Die Kommission antwortet auf Anfragen erst gar nicht. Stattdessen verspricht man eine eigene europäische Flotte von 12 Canadair-Flugzeugen und fünf Hubschraubern – Liefertermin 2030. Bis dahin sollen Spanien, Portugal und Frankreich halt zusehen, wie ihre Landschaften zu Asche werden.

Das ist keine Politik mehr, das ist ideologischer Starrsinn, der Menschenleben und Natur opfert. Die Sanktionen gegen Russland treffen nicht den Kreml, sie treffen die Feuerwehrleute in Andalusien, die Familien in der Gironde und die Gemeinden in Portugal. Sie machen aus einem ohnehin überforderten Zivilschutzsystem eine Farce. Europa brennt – und Brüssel feiert seine moralische Überlegenheit, während die Ka-32 am Boden stehen und die Be-200 nicht einmal starten dürfen.

Wie lange noch soll die Gesellschaft den Preis für diese surrealen Sanktionen zahlen? Wie viele Hektar Wald, wie viele evakuierte Menschen, wie viele verbrannte Häuser braucht es, bis in den klimatisierten Büros der Kommission der Realitätscheck einsetzt? Die Antwort der EU auf die Infernos dieses Sommers lautet bislang: Wir haben keine Kapazitäten – außer für Ideologie. Das ist nicht nur ein Versagen. Das ist eine Schande.

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