Deutsche Forscher erhalten Medizin-Nobelpreis

Der diesjährige Nobelpreis für Medizin geht an zwei deutsche Wissenschaftler und ihren US-amerikanischen Kollegen. Das Nobelpreis-Komitee gab als Begründung für die Entscheidung die bahnbrechenden Entdeckungen des Forschertrios auf dem Gebiet der Optogenetik an.

Wie die Nobelversammlung des Stockholmer Karolinska Instituts heute bekannt gab, erhalten die deutschen Forscher Peter Hegemann und Georg Nagel den Medizin-Nobelpreis für das Jahr 2026, zusammen mit ihrem US-amerikanischen Kollegen Karl Deisseroth. Der renommierte Preis geht an die Wissenschaftler "für ihre Entdeckungen auf dem Gebiet der lichtgesteuerten Ionenkanäle und der Optogenetik."

Neben der Preissumme im Umfang von rund einer Million Euro, die auf die drei Preisträger aufgeteilt wird, werden die heute Ausgezeichneten am 10. Dezember 2026 in Stockholm ihre Nobelmedaillen und Preisurkunden erhalten. Deutschland sichert sich mit der diesjährigen Entscheidung einen der vorderen Plätze im Medaillenspiegel der Nationen beim Nobelpreis für Medizin.

Die Forschungen der drei Preisträger fallen in das Gebiet der Optogenetik. Dabei handelt es sich um eine biologische Technologie, bei der mit Hilfe von Licht die Tätigkeit von Zellen gezielt ausgeschaltet oder angeregt werden kann. Die Methode ermöglicht es dem Nobelpreiskomitee zu zeigen, "wie Nervenzellen Erinnerungen, Gefühle und Verhaltensweisen im lebenden Gehirn prägen."

Alle drei Forscher gelten als Begründer der Optogenetik und haben laut Komitee mit ihren Entdeckungen den Grundstein für eine neue Ära in den Neurowissenschaften gelegt. Die beiden Deutschen hatten in einer einzelligen Alge das Protein Channelrhodopsin entdeckt, das der US-amerikanische Wissenschaftler in einen lichtgesteuerten Schalter für Nervenzellen umwandelte. Bei Experimenten an Ratten und Mäusen schleuste Deisseroth das Gen für Channelrhodosin in deren Nervenzellen ein und löst anschließend durch die Bestrahlung mit blauem Licht ein Nervensignal aus.

Die neuartige Methode ermöglicht gewissermaßen eine Kartierung des Gehirns und die Aufdeckung der neuronalen Schaltkreise, die die menschlichen Gefühle steuern. Auch bei dem Versuch, sehbehinderten Menschen die Sehkraft wiederzugeben, wird sie eingesetzt.

Der 54-jährige Psychiater und Neurobiologe Karl Deisseroth lehrt und forscht an der Stanford University. Peter Hegemann ist ein 71-jähriger Biochemiker und Neurowissenschaftler und wirkt als Senior-Professor an der Berliner Humboldt-Universität. Der Biophysiker Georg Nagel (Jahrgang 1953) ist an der Universität Würzburg tätig, seine wegweisenden Entdeckungen machte er am Max-Planck-Institut für Biophysik in Frankfurt am Main.

Mehr zum Thema  – Nobelpreis 2026: Wer sind Topfavoriten?