Paukenschlag im Luftverkehr: Lufthansa stellt CityLine ein

Die Lufthansa stellt den Flugbetrieb der Regionaltochter CityLine mit sofortiger Wirkung ein. Was bedeutet das für Tausende Passagiere, die täglich auf die Zubringerflüge der Airline angewiesen sind?

Die Lufthansa beendet den Flugbetrieb seiner Regionaltochter CityLine mit sofortiger Wirkung. 27 Maschinen bleiben ab diesem Samstag dauerhaft am Boden, das Personal wird freigestellt – Grund sind die jüngsten Streiks sowie die exorbitant gestiegenen Kerosinpreise.

Wer aber befürchtet, künftig ohne Anschlussflug dazustehen, der kann aufatmen: Die Aufgaben von CityLine übernimmt die konzerneigene Schwestergesellschaft City Airlines. Sie hat gerade erst einen Tarifvertrag mit der Gewerkschaft Verdi abgeschlossen und steht damit auf deutlich stabilem Fundament, jedenfalls, was den Arbeitskampf angeht. Zugleich wurde erklärt, die Ferienflugtochter Discover wolle ihr Angebot mit neuen Langstreckenjets vom Typ A350 zügig ausbauen. Der Konzern setzt also auf günstigere Kostenstrukturen.

Ganz so überraschend kommt das Ende von CityLine ohnehin nicht. Lufthansa hatte die Einstellung der Tochtergesellschaft bereits für das kommende Jahr angekündigt. Doch die jüngsten, anhaltenden Streiks und der handfeste Energiepreisschock beschleunigten diesen Prozess erheblich.

Zwei Krisen, die sich gegenseitig verstärkten

CityLine geriet zuletzt von zwei Seiten unter Druck. Zum einen durch den anhaltenden Arbeitskampf: Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und die Kabinengewerkschaft Ufo hatten in dieser Woche abwechselnd die Arbeit niedergelegt. Es war bereits die fünfte Streikwelle beim Flugpersonal in wenigen Wochen. Allein in Frankfurt mussten laut Flughafenbetreiber Fraport mehr als 580 Starts und Landungen abgesagt werden, in München fielen rund 380 Flugbewegungen aus. Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann hatte bereits am Montag die Konsequenzen einer Streikfortsetzung klar benannt:

"Jeder Streik verkleinert die betroffene Fluggesellschaft."

Die Krise der CityLine wurde aber auch durch den Treibstoffpreisschock verstärkt: Der Iran-Krieg hat die Kerosinkosten drastisch in die Höhe getrieben. Von rund 85 Dollar pro Barrel vor Kriegsbeginn kletterte der Preis innerhalb weniger Wochen auf bis zu 200 Dollar – ein Anstieg von mehr als 129 Prozent. Der Konzern ist durch Termingeschäfte zwar zu einem großen Teil abgesichert – rund 80 Prozent des Kerosinbedarfs für 2026 wurden zu Vorkrisenpreisen gesichert –, doch für eine ohnehin ertragsschwache Regionalairline wie CityLine reichte dieser Puffer nicht aus.

Zumal die Airline beinahe ausschließlich mit Bombardier Canadair Regional Jets flog, die aus heutiger Sicht einen vergleichsweise hohen Kerosinverbrauch pro Sitz haben. In einem internen Schreiben an die Belegschaft, das dem Luftfahrtportal aero.de vorlag, war unmissverständlich von einer Situation die Rede, die sich zur Unhaltbarkeit verdichtet habe.

Was wird nun aus den Mitarbeitern?

Rund 800 Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter sowie das Cockpit-Personal stehen nun vor einer ungewissen Zukunft. Lufthansa signalisiert Gesprächsbereitschaft: Wechselmöglichkeiten innerhalb des Konzerns – etwa zu City Airlines – sollen geprüft, Verhandlungen über einen Sozialplan aufgenommen werden. Letzteres war die zentrale Forderung der Gewerkschaft Ufo bei den jüngsten Streiks. Ob das aber ausreicht, um die verhärteten Fronten in dem Tarifkonflikt aufzuweichen, bleibt unklar. Bislang jedenfalls beharren beide Seiten auf ihren Kernpositionen. Der Konflikt, der CityLine mit zu Fall gebracht hat, ist damit noch längst nicht Geschichte.

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