Um kurz vor 2 Uhr nachts gingen in der 118.000-Einwohner-Stadt die Lichter aus. Erhebliche Teile Reutlingens und der umliegenden Gemeinden waren von einem großflächigen Stromausfall betroffen. Bei rund 20.000 Kunden des Reutlinger Stromversorgungsunternehmens FairNetz GmbH brach die Energieversorgung zusammen. Auch am heutigen Morgen fehlt noch rund 7.600 Haushalten der Strom. Telefon und Internet sind weiterhin nur eingeschränkt nutzbar. Die Ursache für den Blackout: Ein Umspannwerk hatte gebrannt.
Brisant: Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass der Brand im Umspannwerk Reutlingen-West nicht von einem Defekt oder einer natürlichen Ursache wie einem Blitzschlag herrührt, sondern absichtlich herbeigeführt wurde. Medienberichten zufolge geht der Betreiber Netze BW von Brandstiftung aus. Als Indiz für diese Annahme weist das Unternehmen auf eine Beschädigung im Zaun hin. Außerdem gebe es im Umspannwerk gleich drei Brandstellen.
Die Polizei ermittelt derzeit in alle Richtungen, erklärte ein Sprecher des Landeskriminalamts gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). Bei Vorfällen dieser Dimension sei es üblich, Brandsachverständige des LKA einzuschalten. Der Brand im Umspannwerk ist mittlerweile gelöscht. Gegenüber der Stuttgarter Zeitung bestätigten die Stadtwerke, dass auch wegen Verdachts auf einen Brandanschlag ermittelt werde.
Wie die Polizei bekannt gab, sind auch Krankenhäuser und Seniorenheime vom Stromausfall betroffen. Die Hilfsorganisationen Deutsches Rotes Kreuz und Malteser-Hilfsdienst sind im Einsatz, ebenso ein Einsatzstab im Zentrum für Bevölkerungsschutz im benachbarten Pfullingen. Der Einsatz könne länger dauern, hieß es. Da die Ampeln in Reutlingen ausgefallen sind, regelt die Polizei den Verkehr. Gemäß Informationen der dpa könnte der durch den Stromausfall verursachte Schaden in die Millionenhöhe gehen.
Weiterhin unklar ist, wann die beiden Betreiber Netze BW und FairNetz GmbH, die sich das Umspannwerk teilen, die Stromversorgung wieder vollständig herstellen können. In einer nächtlichen Warnmeldung der Feuerwehr hatte es geheißen, der Strom könne über längere Zeit ausbleiben. Betroffen sind neben der Reutlinger Innenstadt auch die Oststadt, das Industriegebiet West sowie die Stadtteile Betzingen und Ohmenhausen sowie die umliegenden Gemeinden Wannweil und Kirchentellinsfurt. Diese Gegenden werden von den Umspannwerken Mark West und Mitte mit Strom versorgt.
Die Stadt Reutlingen hat derweil ein Bürgertelefon für Ratsuchende eingerichtet. Immerhin konnte die Stadtverwaltung auf ihrer Homepage mitteilen, dass das Umspannwerk Mitte seit 6 Uhr den Betrieb wieder aufgenommen hat. Dadurch wurde es möglich, die Innenstadt samt dem Krankenhaus wieder mit Strom zu versorgen. Die Betreiberunternehmen würden mit Hochdruck an der Behebung des Stromausfalls arbeiten, versicherte die Stadt, konnte aber ebenfalls keinen Termin für die Wiederherstellung der Stromversorgung nennen.
Der Vorfall erinnert an den mehrtägigen Stromausfall in Berlin vom Anfang des Jahres. Damals waren wegen eines Brandanschlags auf eine Kabelbrücke zeitweise 45.000 Haushalte und 2.200 Betriebe im Südwesten der Hauptstadt ohne Stromversorgung.
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