Deutschlands Baustellenchaos, besonders wenn es um die Bahn geht, ist im internationalen Vergleich nur noch peinlich. Ein weiteres Beispiel des Elends bringt die Berliner Zeitung in ihrer Montagsausgabe: Es geht um die mit täglich 65.000 Fahrgästen wichtigste Bahnlinie Brandenburgs, die Berlin unter anderem mit Magdeburg, der Stadt Brandenburg, der Landeshauptstadt Potsdam im Westen und mit Frankfurt an der Oder im Osten verbindet. Beziehungsweise verbinden soll, denn aktuell fährt auf den Schienen zwischen Berlin und Frankfurt nichts.
Grund sind Bauarbeiten, die noch bis Mitte August dauern sollen. Wer aber denkt, dass sich die Lage dann wieder normalisieren würde, irrt: Knapp eine Woche nach dem geplanten Abschluss der laufenden Arbeiten zwischen Erkner und Frankfurt gehen neue los, zwischen Berlin und Erkner, der RE1 wird wieder unterbrochen, die Fahrgäste auf die parallel verlaufende, langsamere S-Bahn verwiesen.
Was die Planer daran gehindert hat, beide Bauvorhaben gleichzeitig umzusetzen, konnten auch die Journalisten der Berliner Zeitung nicht in Erfahrung bringen.
Und es kommt noch bunter: Während die Brandenburger Pendler sich auf ein mehr oder weniger planmäßiges (soweit bei der Deutschen Bahn überhaupt von planmäßig die Rede sein kann) Jahr 2027 freuen können, geht es ab 2028 erneut mit Bauarbeiten und Torturen im Schienenersatzverkehr los. So beschreibt die Berliner Zeitung das planerische Chaos:
"Vom 7. Januar bis 4. Februar 2028 wird der Abschnitt vom Ostendgestell bei Köpenick bis Berkenbrück voll gesperrt. Die Stadtbahn zwischen Charlottenburg und Ostkreuz wird die meiste Zeit des Jahres nur eingleisig befahrbar sein. Ab April 2028 gibt es dort Einschränkungen, 28 Wochen lang. 2028 warten weitere Herausforderungen auf die Nutzer des RE1. So plant die Bahn, den Abschnitt zwischen Werder (Havel), Brandenburg und Biederitz zu sperren. Vom 23. Juni bis 15. September 2028 müssen Fahrgäste dort auf Busse umsteigen. Ebenfalls von Juni an fahren keine Züge zwischen Frankfurt (Oder) und Eisenhüttenstadt – bis November. Auf dem Westabschnitt des RE1 sind für 2029 bereits Sperrungen beschlossen."
Kommt es so wie geplant, wird es die Linie im Jahr 2029 nicht mehr geben, warnt der Chef der ODEG, des die Linie betreibenden Unternehmens:
"Dann fahren wir 2029 nicht zwischen Frankfurt (Oder) und Berlin, auch nicht zwischen Berlin und Werder. Eine Eingleisigkeit zwischen Werder und Biederitz kommt hinzu. Dann wird der RE1 mehr oder weniger eingestellt."
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