Anti-Tagi: BILD verbreitet Fake News über Russen. Für BILD gelten andere Regeln

BILD verbreitet zunächst eine unbestätigte Geschichte über einen russischen Piloten als Täter und einen ukrainischen Co-Piloten als Retter. Stunden später wird die Darstellung geändert. Mit seriösem Journalismus hat das wenig zu tun.

Von Hans-Ueli Läppli

Bei BILD sind gesicherte Fakten offenbar keine zwingende Voraussetzung für eine Schlagzeile. Hauptsache, die Geschichte stimmt.

Am Mittwochmorgen war die Geschichte schnell erzählt. "Ein russischer Pilot wollte angeblich ein Passagierflugzeug zum Absturz bringen, ein ukrainischer Co-Pilot rettete die Maschine". Russland war damit wieder dort, wo es in manchen Redaktionen am liebsten gesehen wird: auf dem Täterplatz.

Nur stimmte diese Geschichte von Anfang an nicht.

Hier geht es nicht nur um BILD, sondern um die Frage, welche Maßstäbe für Medien gelten.

RT DE und Sputnik wurden 2022 in der EU wegen angeblicher "Desinformation und Informationsmanipulation" verboten. BILD und RT sind selbstverständlich nicht dasselbe Medium, zum Glück!

Aber genau deshalb stellt sich die Frage, warum Berichterstattung, die nicht ins westliche, genauer gesagt nicht ins NATO-Narrativ passt, bei einem Medium als Informationsmanipulation und Gefahr für die Demokratie gilt, während ein etabliertes westliches Medium eine unbestätigte, politisch passende Geschichte als Tatsache verbreiten und später still verändern kann.

Wenn ungesicherte Informationen, sprich Fake News, als Fakten verbreitet werden, darf der journalistische Maßstab nicht vom Absender und schon gar nicht vom politischen Narrativ abhängen.

Doch genau diese doppelten Maßstäbe gibt es seit Jahren. Medien, die nicht ins westliche oder NATO-Narrativ passen, werden schnell als Propaganda und Desinformation abgestempelt. Bei etablierten westlichen Medien wird derselbe Maßstab längst nicht immer angewendet.

Heute wurde BILD dabei auf frischer Tat ertappt. Eine unbestätigte Geschichte wurde zur Schlagzeile gemacht. 

Das ist kein sauberer Umgang mit Nachrichten. Es zeigt vielmehr, wie unterschiedlich mit Desinformation umgegangen wird, je nachdem, wer sie WIRKLICH verbreitet.

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