Neuer Bundeswehrskandal: Sex, Drogen und Drohungen

Diesmal ist es eine Kaserne im Osten: in Weißenfels, Sachsen-Anhalt. Die Geschichte ist aus dem Verteidigungsausschuss des Bundestages wohl sofort an die Medien weitergetragen worden. Und vermutlich wird wohl noch einiges hinterhergeliefert.

Gerade erst ist der Skandal beim Fallschirmjägerregiment in Zweibrücken vergessen, da gibt es einen neuen beim Sanitätsregiment 1 in Weißenfels in Sachsen-Anhalt. Im Sanitätsdienst der Bundeswehr gibt es Frauen seit 1975; anfangs nur als Sanitätsoffiziere, seit 1991 auch im Mannschaftsdienst; nicht erst seit einem EuGH-Urteil 2001, wie im Rest der Armee. Ans Licht kam dieser Skandal vermutlich wegen eines Kommandeurswechsels, nach dem gleich mehrere Beschwerden eingegangen waren. Daraufhin begannen die Ermittlungen.

Ans Tageslicht kam dabei, dass die männlichen Soldaten einen Wettbewerb abhielten, wer mit den meisten Rekrutinnen Sex hatte. Dabei soll laut Presseberichten eines der Opfer noch minderjährig gewesen sein; es soll Fälle gegeben haben, in denen die Frauen bedroht wurden. Beschwerden wurden wohl unterdrückt. Alle Vorfälle sollen sich in einem Zug ereignet haben. Der Zugführer, also der Vorgesetzte dieser Soldaten, steht im Verdacht des Drogenmissbrauchs, allerdings gibt es wohl auch Gerüchte über schwunghaften Drogenhandel, unter anderem mit Amphetaminen und Testosteron.

Der Skandal wurde im Verteidigungsausschuss des Bundestages vorgetragen, aber die internen Ermittlungen sind schon relativ weit gediehen: Neun Bundeswehrsoldaten wurde verboten, die Kaserne zu betreten; in sieben Fällen wurde verboten, den Dienst auszuüben und die Uniform zu tragen (das sind übliche Maßnahmen, wenn Ermittlungen stattfinden, und noch keine Disziplinarstrafen), gegen acht Soldaten wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet, eines davon liegt beim Wehrdisziplinaranwalt. Fünf Fälle gingen an die zivile Staatsanwaltschaft. Die Zahl der Opfer soll bei einem Dutzend liegen. Insgesamt soll es zehn Beschuldigte geben. Das wäre etwa ein Drittel dieses Zuges.

Verteidigungsminister Boris Pistorius nahm während seines Kreta-Besuchs Stellung zu diesem Thema. "Bislang handelt es sich um Vorwürfe. Wenn die sich bestätigen, wäre das widerwärtig", erklärte er. "Wir werden alles tun, um jeden Täter dingfest zu machen und seiner gerechten Strafe zuzuführen und gleichzeitig die Betroffenen besser zu schützen."

Unklar ist, über welchen Zeitraum sich die Taten erstrecken. Dabei könnte sich, angesichts der Tatsache, dass der Zugführer involviert sein soll, durchaus ergeben, dass noch weitere Fälle auftauchen. Auf jeden Fall dürfte in dieser Konstellation ein großer Teil der Verantwortung beim erwähnten Zugführer liegen, womit sich auch die Frage stellt, wie lang und wie sehr dessen Fehlverhalten gedeckt oder womöglich gar gebilligt wurde. Schließlich könnten die beschuldigten Soldaten im selben Alter sein wie die Rekrutinnen; es wäre die Verantwortung des erwachsenen Offiziers gewesen, derartiges Verhalten zu unterbinden. Allerdings dürfte das Alter der Beteiligten erst mit möglichen Strafprozessen bekannt werden.

In der US-Armee, die schon weit länger Soldatinnen hat als die Bundeswehr, liegt nach dem letzten Bericht aus dem Jahr 2025 der Anteil der Frauen, die im Dienst sexuell belästigt wurden, bei 17,5 Prozent. Bei Männern liegt er nur bei 4,4 Prozent. Allerdings wird von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen – nach einer Studie der US-Veteranenbehörde erlebten 38 Prozent der Veteraninnen während ihrer Dienstzeit sexuelle Belästigung oder Übergriffe.

In der US-Armee gibt es bereits seit 1917 Soldatinnen, wenn auch nicht in der kämpfenden Truppe. Das änderte sich 1948. Seit 2015 sind Frauen dort in allen Truppengattungen zugelassen. Die US-Zahlen deuten darauf hin, dass diese Probleme nicht im Lauf der Zeit zurückgehen.

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