Ukraine: Die Rechnung für den Krieg geht jetzt an Berlin

Nachdem die USA ihre Mittel zur Aufrechterhaltung des Kriegs in der Ukraine bis auf null reduziert haben (von Zieldaten etc. abgesehen), ist es nun seit 2025 Berlin, das das meiste Geld dafür ausgibt. Allerdings sind selbst die besten erhältlichen Zahlen unvollständig.

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft beobachtet seit Jahren in seinem Ukraine Support Tracker akribisch, welches Land wie viel an die Ukraine liefert, und, soweit möglich, auch noch, was. Daraus ergibt sich vor allem eine sehr deutliche Zahl: Während in der Amtszeit von US-Präsident Joe Biden zweifelsfrei die USA die Liste anführten und bis August dieses Jahres 115 Milliarden Euro, davon 65 Milliarden in Militärhilfe, erreichten, sind die dortigen Ausgaben im laufenden Jahr auf null gefallen. Was nicht heißt, dass keine US-Waffen mehr geliefert werden, nur werden sie nicht mehr von den USA bezahlt, sondern vor allem von den Europäern.

Auf Platz zwei liegt, deutlich vor dem Drittplatzierten, Deutschland mit 54 Milliarden, in denen aber der deutsche Anteil von EU-Zahlungen enthalten ist – 25 Milliarden davon waren reine Militärhilfe. Der größte Einzelposten dabei, auch das lässt sich auf dieser Seite finden, waren Luftabwehrsysteme, 14 Iris-T und fünf Patriot-Batterien im Gesamtwert von 3,88 Milliarden Euro. Die USA liegen hier an zweiter Position, mit 1,78 Milliarden Euro.

Frankreich hat bisher 27 Milliarden Euro aufgebracht, davon aber nur acht Milliarden direkt, der Rest ist der französische Anteil an den über die EU-Institutionen insgesamt aufgebrachten 100 Milliarden. Auf Platz 3 liegt Großbritannien mit 23 Milliarden, auf das, da es kein EU-Mitglied ist, auch kein EU-Anteil entfällt, dann folgt Italien mit 18 Milliarden, von denen 14 Milliarden den Umweg über die EU machten.

Die Mittel, die aus der EU an die Ukraine fließen, sind nur zu einem kleinen Bruchteil, 8,9 Milliarden, militärisch; der Rest besteht vor allem aus finanziellen Hilfen, die in den Staatshaushalt gehen – was natürlich nicht bedeutet, dass die Ukraine davon nicht weitere Waffen kauft oder die Armee finanziert.

Im Gesamtverhältnis wird klar, dass das längst EU-Europas Krieg ist: Die zusammengerechneten Mittel aus der EU und den EU-Mitgliedstaaten liegen mit 200 Milliarden Euro deutlich über jenem Betrag, den die USA vor allem unter Biden in diesen Krieg investierten.

Die 100 Milliarden Euro deutsche Ausgaben, die das Bundesfinanzministerium nennt, beinhalten auch die Aufwendungen für ukrainische Flüchtlinge in Deutschland (bzw. den Teil der Kosten, den die Bundeskasse trägt), mit mittlerweile 35,9 Milliarden und 22 Milliarden Finanzzusagen für künftige Militärhilfe, die zwar als Haushaltsposition verbucht, aber noch nicht geflossen sind. Die Milliarden für die Flüchtlinge teilen sich wieder auf in 27,4 Milliarden, die als Grundsicherung gezahlt werden, und 7,15 Milliarden, die vom Bund an Länder und Kommunen gehen. Dabei wäre allerdings zu berücksichtigen, dass vor allem in den Metropolen die Aufwendungen für die Unterkunft deutlich höher liegen als die pauschalen Erstattungen vom Bund – Kosten, die an den Kommunen hängen bleiben, deshalb auch in keiner bundesweiten Gesamtrechnung auftauchen, aber pro Kopf und Monat durchaus mehrere Hundert Euro erreichen können.

Insgesamt haben die Verbündeten der Ukraine bisher 382,8 Milliarden Euro in diesen Krieg gesteckt, wovon aber nur 26,2 Milliarden humanitäre Hilfen waren. 185,8 Milliarden waren offene Militärhilfe.

Das Kieler Institut müht sich, die deutschen Aufwendungen zu relativieren. "Die vier nordischen Länder haben zusammen mehr als Deutschland gegeben, obwohl sie insgesamt nur ein Drittel der deutschen Bevölkerung haben." Allerdings ist eines dieser nordischen Länder, Norwegen, das nicht Mitglied der EU ist, auch durch die gestiegenen Preise für Öl und Gas einer der größten Profiteure dieses Krieges, was das Kieler Institut nicht erwähnt.

Bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt gibt es EU-Länder, die weit mehr aufbringen; Dänemark liegt hier an der Spitze mit 3,49 Prozent bezogen auf das BIP von 2021, gefolgt von Estland mit 3,07 und Norwegen mit 2,83. Bei Deutschland sind es nur 0,86 Prozent. Allerdings – zumindest drei der ersten fünf, Litauen und Lettland, sind Nettoempfänger in der EU, 2024 erhielt Estland 608,3 Millionen Euro, Litauen 1,23 Milliarden und Lettland eine Milliarde, die wiederum zu einem guten Teil aus deutschen Steuergeldern stammen.

Das Kieler Institut beendet seinen jährlichen Bericht mit einer Aufforderung an die Bundesregierung, ihre Unterstützungsleistungen transparenter darzustellen und beispielsweise zu einer Auflistung der an die Ukraine gelieferten militärischen Güter zurückzukehren, die seit April 2025 nur noch als Summe veröffentlicht werden. Gleichzeitig wünscht es aber, alle Ausgaben, die etwa durch ukrainische Flüchtlinge in Deutschland entstehen, deutlicher von dem Geld zu trennen, das in die Ukraine fließt, da es schließlich in Deutschland ausgegeben werde. Eine saubere Aufteilung werde die Qualität der öffentlichen Debatte verbessern.

Was das Kieler Institut jedoch nicht fordert, ist, die indirekten Kosten, wie etwa die höheren Energiepreise oder den Verlust an industrieller Produktion, ebenfalls transparent aufzulisten. Denn wenn man wirklich vergleichen wollte, was der Krieg in der Ukraine kostet, müssten auch diese Zahlen Teil der Rechnung werden.

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