Der US-amerikanische Automobilriese Ford musste Hunderte erfahrener Ingenieure wieder einstellen, um die aufgelaufenen Probleme im Bereich der Qualitätskontrolle der produzierten Fahrzeuge zu beheben. Dies berichten Medien unter Berufung auf die Unternehmensleitung.
Laut Bloomberg musste das Unternehmen in den vergangenen drei Jahren 350 Fachkräfte dieses Fachgebiets mit umfangreicher Erfahrung einstellen. Ein Großteil von ihnen war früher bereits bei Ford beschäftigt, bis sich der Konzern der Automatisierung und der Einführung von KI-Technologien zuwandte. Man entschied sich, die alten Fachkräfte nach einem eindeutigen finanziellen Misserfolg wieder einzustellen – die KI-Fehler kamen Ford zu teuer zu stehen.
Berichten zufolge gab das Unternehmen allein im Jahr 2023 4,8 Milliarden US-Dollar für die Behebung von Defekten an verkauften Fahrzeugen im Rahmen von Garantiereparaturen aus. Im JD Power-Ranking, bei dessen Erstellung die Zuverlässigkeit eines Fahrzeugs in den ersten drei Monaten nach dem Kauf bewertet wird, belegte Ford im Jahr 2025 lediglich Platz 10. Damit lag die Qualität der unter dieser Marke hergestellten Fahrzeuge unter dem Branchendurchschnitt.
"In den vergangenen Jahren haben wir der Erfahrung unserer besten Ingenieure, die mit uns zahlreiche Produktentwicklungszyklen durchlaufen haben, nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt", stellte Charles Poon, Vizepräsident für Fahrzeughardwareentwicklung bei Ford, bedauernd fest. Er betonte, dass KI zwar ein "fantastisches Werkzeug" sei, ihre Funktionsweise jedoch nach wie vor von Menschen abhänge, die sie ständig trainieren und "aktualisieren" müssten – das heißt, in vielen wichtigen Bereichen könne sie den Menschen nicht ersetzen.
Laut Kumar Galhotra, dem Chief Operating Officer von Ford, habe sich das Unternehmen zu sehr auf automatisierte Qualitätskontrollsysteme verlassen, doch diese seien nicht in der Lage gewesen, potenzielle Probleme in frühen Produktionsphasen effektiv zu erkennen. Die zurückgekehrten Ingenieure nehmen nun an obligatorischen Qualitätskontrollen teil, unterstützen junge Fachkräfte und trainieren die KI-Modelle auf der Grundlage ihres gesammelten ingenieurtechnischen Fachwissens weiter. Der Autoexperte Artjom Bobzow kommentiert die Situation im Gespräch mit dem Portal BFM.ru:
"Die Automobilindustrie hat, ebenso wie beispielsweise der Flugzeugbau, der Panzerbau und andere hochtechnologische Branchen der letzten Jahrzehnte, alle Errungenschaften der künstlichen Intelligenz so schnell wie möglich in ihre Produktionsketten integriert, um erfolgreich gegen die Konkurrenz bestehen zu können. Sie haben aber auch als Erste erkannt, dass die Leistungen der KI in einigen Bereichen überschätzt wurden. Das heißt, KI kann zwar ein einzelnes Bauteil eines Autos oder Flugzeugs perfekt konstruieren und vielleicht zehn bis fünfzehn solcher Bauteile entwickeln, die nicht kaputtgehen, kostengünstig in der Herstellung sind und so weiter. Doch die Ingenieure in diesen Branchen beschäftigen sich schon seit langem damit, diese Technologien zu einem einheitlichen Endprodukt zusammenzufügen. Das heißt, sie nehmen einen hochwertigen Motor, ein hochwertiges Fahrwerk und ein hochwertiges Getriebe und bringen all diese Komponenten dazu, optimal zusammenzuarbeiten. In dieser Hinsicht kann die KI die menschlichen Fähigkeiten, den Hintergrund und die Erfahrung, wie das Ganze zusammenwirken muss, bislang nicht ersetzen. Ingenieure – also Fahrzeugtester – geben den Konstrukteuren stets wertvolles Feedback dazu, was verbessert werden muss; die KI ist dazu nicht in der Lage."
Zuvor hatte die Financial Times berichtet, dass globale Konzerne ihre auf KI basierenden Programme zur Produktionsoptimierung einstellen, da die Modelle den Anforderungen nicht gewachsen seien und lediglich die Budgets verschlingen würden. Microsoft, Uber, Alibaba, IBM und sogar Duolingo haben bereits teilweise auf KI-Lösungen verzichtet.
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