"Ukraine sollte neutral sein, Punkt" – Jeffrey Sachs über NATO-Erweiterung und das Versagen Europas

In einem Interview mit dem Politologen Glenn Diesen ordnet der US-Ökonom Jeffrey Sachs die historischen Hintergründe des Ukraine-Konflikts ein. Als Wirtschaftsberater in Russland und Osteuropa erlebte Sachs die Umbrüche der 1990er-Jahre direkt mit.

Er verweist auf die Gespräche von 1990, in denen Deutschland und die USA der Sowjetunion zusicherten, die NATO werde sich nicht nach Osten ausdehnen. Er weist dabei auf die aktive Rolle Deutschlands hin, das aus wirtschaftlichen Interessen heraus früh auf die NATO-Osterweiterung drängte und damit das gegebene Versprechen brach.
 
Sachs rekonstruiert den Kurs bis zum Bukarester Beschluss von 2008, die Ukraine und Georgien in die NATO aufzunehmen, was schließlich zum von den USA unterstützten Staatsstreich in der Ukraine im Jahr 2014 führte. Da Moskau diese Schritte als existenzielle Bedrohung sah, eskalierte die Lage zum Krieg.
 
Während Sachs bei den USA bereits ein Umdenken sieht, hält Europa starr an einer NATO-Mitgliedschaft der Ukraine fest. Sachs bezeichnet dies als Irrweg und plädiert stattdessen für eine neutrale Ukraine als einzige Friedenslösung.

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