Rache der Panzer? Russland testet abstandsaktives Schutzsystem – neue Version schießt Drohnen ab

Könnten Kampfpanzer bald eine Renaissance auf dem Schlachtfeld des modernen, von Kamikazedrohnen dominierten Krieges feiern? Möglich scheint es – den Trend könnte ein russisches abstandsaktives Schutzsystem (APS) einläuten, das für die Abwehr solcher Drohnen erweitert wurde.

Vom Telegram-Kanal Wojenny Oswedomitel ("Militärinformant") @milinfolive

In den letzten Tagen haben westliche Medien und dazu noch einige pro-ukrainische Experten begonnen, die Rückkehr russischer Kampfpanzer auf das Schlachtfeld zu diskutieren – und zwar als Panzer in ihrer ursprünglichen Rolle als besonders gut geschützte Durchbruchsfahrzeuge, anstatt dass sie jetzt, kurz zuvor durch Drohnen verdrängt, notgedrungen als Feuerunterstützungsfahrzeuge eingesetzt werden.

Die wichtigsten Schlussfolgerungen des Gegners hierzu gründen auf mehreren jüngsten Gefechtseinsätzen russischer Panzer. Insbesondere geht es um den Verantwortungsbereich der 90. Witebsker und Nowgoroder, Suworow-Orden- und zweifache Rotbanner-Garde-Panzerdivision: Diese kämpft aktuell am Teilabschnitt der Front bei Dobropolje, der allem Anschein nach derzeit als "Testgelände" für die in Russland entwickelten Drohnenschutzmaßnahmen für Panzer und andere Panzerfahrzeuge dient.

Im Wesentlichen geht es um zwei Dinge: Erstens sind es neue Typen von Drohnenfangvorrichtungen (im Russischen, nach den ersten Vertretern dieser Art, die vom Aussehen an Kohlegrillgitter erinnerten, "mangal" genannt – oft selbst dann, wenn besagte Gitterstrukturen nicht mehr die primäre Rolle beim Schutz spielen oder gar weitestgehend fehlen). Zweitens geht es um bereits bestehende abstandsaktive Schutzsysteme vom Typ Arena-M, die nun jedoch Drohnen abschießen können und dafür eigens angepasst wurden. Betrachten wir beides genauer.

Drohnenschutzvorrichtungen, die den Spitznamen "Kohlegrill" tragen, hielten noch ganz zu Beginn des weitverbreiteten Einsatzes von FPV-Kamikazedrohnen ihren Einzug ins Inventar der Panzertruppen.

(Anm. d. Red.: Eigentlich noch früher – und zwar in ihrer einfachsten, "klassischen" Form als Gitter, waagerecht über dem Turm und gegebenenfalls dem Motorraum der Panzer angebracht und zunächst dem Schutz vor Sprengkörpern dienend, die von mehrfach verwendeten "Bomber"-Drohnen abgeworfen werden. Dieser Zeit verdanken die Drohnenfangvorrichtungen den Spitznamen "Kohlegrill". In dieser Qualität wurden sie spätestens im Frühjahr 2021 montiert, und zwar auf Panzern des Militärbezirks Süd der Russischen Föderation. FPV-Kamikazedrohnen als massenhaft verwendete Lenkwaffen hielten jedoch erst im Jahr 2023 Einzug auf das Schlachtfeld.)

Seit dem Jahr 2022 aber wurden diese Vorrichtungen mehrfach weiterentwickelt, und ihre fortschrittlichsten Varianten aus dem Jahr 2026 können nun Dutzende Treffer von FPV-Drohnen abwehren. Dies wird durch mehrschichtigen Aufbau und etwa bis zur Hälfte bis ganz auseinandergeflochtene dicke Metallseile erreicht (falls die Metallseile die Schutzvorrichtung dominieren, werden zuweilen auch weitere umgangssprachliche Bezeichnungen verwendet wie "Igel", "Qualle", "Löwenzahn", "Pelz", "Dreadlocks" und dergleichen mehr). An den dicken, dichten Drähten detoniert der Gefechtskopf der Kamikazedrohne weit genug von der Hauptpanzerung entfernt – und so verhindern sie, dass der Gegner gezielt die Schwachstellen des Panzers erfolgreich anvisieren kann. Dennoch wird der Panzer dadurch nicht völlig unverwundbar: Optik und Fahrgestell bleiben nach wie vor problematische Bereiche.

Laut Berichten aus dem Lager des Gegners hat die Zahl der Fälle, in denen Russlands Panzer 50 bis 70 Kamikazedrohnen jeder Couleur standhielten, in den letzten Monaten zugenommen. Dem polnischen Online-Nachrichten- und Informationsportal zu militärischen Themen Defence24.pl zufolge hielten im Teilabschnitt der Front bei der Stadt Kupjansk, Gebiet Charkow der ehemaligen Ukrainischen SSR, nur wenige Panzer der russischen Streitkräfte mit den neuen passiven Drohnenschutzvorrichtungen den Angriffen des ukrainischen Militärs mit über 125 FPV-Kamikazedrohnen stand. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich kürzlich am oben erwähnten Teilabschnitt Dobropolje, wo der führende T-90M eines Panzerzugs über 40 Drohnenangriffe (und dazu noch mehrere Magnetminen) überstand.

Die abstandsaktiven Hard-Kill-Schutzsysteme Arena-M in der neuen, zum Drohnenabfang angepassten Version wurden ebenfalls kürzlich und ebenfalls am Front-Teilabschnitt Dobropolje eingesetzt. Aktive Schutzsysteme (APS) sind nicht neu, weder als Konzept noch als Technologie, und werden bereits seit der Sowjetzeit entwickelt. Auch Israel nutzt sein eigenes abstandsaktives Hard-Kill-Schutzsystem Trophy aktiv auf den Merkava-Panzern der IDF.

Wirklich neuartig ist also die Anpassung solcher Systeme, sodass sie nicht nur zur Abwehr von Panzerabwehrgranaten und -Lenkraketen dienen, sondern auch zur Abwehr von FPV-Kamikazedrohnen. Und ebendiese Anpassung ist eine Leistung russischer Ingenieure. Laut Gegnerangaben kann jeder mit dem APS Arena-M ausgestattete Panzer des Typs T-72B3A 15 bis 20 Drohnentreffer aushalten. Und am wichtigsten ist wohl, dass das APS, im Gegensatz zu den meisten passiven Schutzvorrichtungen, einen wirksameren Schutz auch der Optik und des Fahrgestells der Maschine ermöglicht: Denn bei aktivem und geladenen APS erreichen die Drohnen den Panzer in der Regel gar nicht erst. Der Engpass im Vergleich zu "Kohlegrill" und Co. ist die begrenzte mitgeführte und geladene Menge von Abfangmunition, mit der das Arena-M, wie alle heute gängigen APS, arbeitet.

Neben dem physischen Schutz der Panzer selbst ist jedoch die Koordination mit anderen Waffensystemen sowie Aufklärung und Pionieren ein entscheidender Faktor für den Erfolg eines jeden Angriffs. Russlands Streitkräfte setzen bereits aktiv mobile Feuergruppen zum Abfangen von FPV-Drohnen ein, die gepanzerte Fahrzeuge zumindest im Marschverband begleiten können; dazu Flugabwehrdrohnen, deren Operateure sich nähernde feindliche Drohnen bekämpfen, sowie Feuer von Artillerie und Kampfflugzeugen gegen Stellungen gegnerischer Drohnenoperateure – dies auch sehr gern als Feuerwelle.

Über die vergangenen Jahre hat sich allerorten die Lage eingestellt, dass jeder größere Panzerverband – und jüngst sehr oft auch jeder einzelne Panzer – vom jeweiligen Gegner mehrere Kilometer vor der Frontlinie entdeckt und anschließend mit Artillerie und Drohnen beschossen werden konnte. Russland versucht nun, die äußerst komplexe Aufgabe der Erhöhung der Überlebensfähigkeit von Panzerfahrzeugen so weit zu lösen, dass diese sich wieder direkt an der Front bewegen können. Daher wird das neue, mehrschichtige Verteidigungssystem gerade um den Panzer herum aufgebaut – als Speerspitze eines jeden Durchbruchs.

Doch eine Rückkehr klassischer Panzerdurchbrüche bleibt noch in weiter Ferne. Der neue Ansatz zum Schutz von Panzerfahrzeugen muss, so erfolgreich er sich im Kleinen gezeigt hat, zunächst auch in einem größeren Umfang umgesetzt werden. Zudem hat der Verlauf des Zweiten Weltkriegs und zahlloser Kriege zuvor gezeigt, dass es keine universelle "Wunderwaffe" geben kann, die alle Probleme auf einmal löst. Nicht zuletzt ist auch der Gegner äußerst darauf erpicht, jedwede Innovation auf dem Schlachtfeld genauestens im Blick zu behalten – und sucht seinerseits akribisch nach "Maßnahmen gegen neue Gegenmaßnahmen", also nach einem neuen sprichwörtlichen Schwert gegen den neuen sprichwörtlichen Schild. Gerade deshalb sind die umschriebenen neuen Entwicklungen ja so interessant – zumal sie den möglichen Beginn einer neuen Ära im Einsatz von Panzerfahrzeugen darstellen.

Übersetzt aus dem Russischen.

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Dieser Beitrag wurde exklusiv für RT verfasst.

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