Wie schon beim letzten Mal: Selenskij wird Geld von Europa erhalten, aber es gibt einen Haken

Die Kosten für den Ukraine-Krieg schnellen Jahr für Jahr in die Höhe. Doch während sich die USA schon länger nicht mehr beteiligen wollen, sind die europäischen Regierungen bereit, weiterhin viel Geld in den aussichtslosen Kampf zu stecken. Dies allerdings gegen den Willen zahlreicher Wähler in der EU.

Von Pjotr Akopow

Der Empfang von Wladimir Selenskij in Brüssel erfolgte mit Applaus, Küssen und offenen Armen – fast alle Teilnehmer des EU-Gipfels umarmten ihn, wobei die meisten Damen ihn mit Küssen begrüßten. Ein krasser Gegensatz zu Donald Trumps Äußerungen, wonach man mit Selenskij besser nichts zu tun haben sollte und es ohnehin an der Zeit sei, ihn abzulösen. Demonstriert Europa den USA damit seine Entschlossenheit, weiter für die Ukraine zu kämpfen? Ja – und zwar im Alleingang, falls sich die USA vollständig von Kiew abwenden sollten: Der lettische Ministerpräsident Andris Kulbergs erklärte, Selenskij habe derzeit nur einen Verbündeten – die Europäer. Das bedeutet, dass sie auch für den Krieg aufkommen müssen.

Europa hat keine Alternative: Denn der Kampf um die Ukraine sei ein Kampf um die europäische Sicherheit, einfacher gesagt, darum, dass die Russen Europa nicht erobern und unterwerfen. Dafür sei kein Geld zu schade – und was ist das schon für Geld, bitte? Kulbergs rechnete vor, die Unterstützung der Ukraine koste "ein Glas Bier oder sogar weniger pro Europäer im Jahr, das können wir uns leisten". Deshalb: "Wenn wir in Europa komfortabel leben, morgens Croissants essen und Kaffee trinken und uns keine Gedanken über Bedrohungen machen wollen, müssen wir die Ukraine unterstützen." Wer also morgens ein frisches Croissant haben möchte, sollte zugunsten der Ukraine auf ein Glas Bier pro Jahr verzichten – und dann könnte Putin Europa nicht erobern. Es ist sinnlos, mit den europäischen Atlantikern über Russlands Pläne gegenüber Europa zu streiten, doch mit mathematischen Berechnungen hat der ehemalige sowjetische Pionier Kulbergs offensichtlich große Schwierigkeiten.

Die Bevölkerungszahl der Europäischen Union beträgt weniger als 450 Millionen, während ein Glas Bier im Durchschnitt rund fünf Euro kostet. Das ergibt 2,25 Milliarden Euro, doch die Unterstützung der Ukraine kostet die EU mindestens eine Größenordnung mehr. Im Vorfeld des aktuellen Gipfels bezifferte Kiew allein sein Haushaltsdefizit für das kommende Jahr auf fast 30 Milliarden Euro – ganz zu schweigen von Waffenlieferungen im Wert von Dutzenden Milliarden (die ebenfalls von Europa bezahlt werden). Mit einem Bier – oder sogar zehn pro Person, einschließlich Säuglingen – kommt man also nicht davon. Hier geht es schon um ganze Fässer – wäre es da nicht einfacher, alle Einnahmen aus dem Bierverkauf gleich an Selenskij zu überweisen? Europa wird im Jahr 2027 noch Dutzende Milliarden Euro für die Ukraine ausgeben müssen – zusätzlich zu den bereits ausgegebenen Hunderten Milliarden. Aber die reiche Alte Welt hat doch sowohl den Willen als auch das Geld dafür, oder?

Den Willen zeigt Europa bislang noch, aber das Geld reicht schon nicht mehr aus – und das lässt sich immer schwerer verbergen. Am Vorabend des Brüsseler Gipfels erklärte die dänische Ministerpräsidentin, "der Ukraine geht das Geld aus, und in gewisser Weise ist das bereits geschehen", weshalb russische Vermögenswerte beschlagnahmt werden müssten. Doch Belgien (und nicht nur Belgien, aber seine Position ist entscheidend), unter dessen Jurisdiktion sich der größte Teil dieser Vermögenswerte befindet, lehnt dies kategorisch ab. Der belgische Ministerpräsident warnt die Europäer davor, dass Selenskij "allen direkt in die Augen sehen und sagen wird: Danke für die 90 Milliarden, aber dieses Geld wird bald aufgebraucht sein" – und anschließend um mehr bitten wird. Gleichzeitig erklärte der niederländische Ministerpräsident, er sei "nicht zufrieden damit, wie viele Länder ihre Bereitschaft erklärt haben, die Ukraine finanziell zu unterstützen". Die Europäer können sich nicht auf den Entwurf des neuen mehrjährigen EU-Haushalts einigen – dieser ist mit einem enormen Defizit veranschlagt, und nun werden von ihnen auch noch neue Spenden zur "Behebung des Misserfolgs", also zur Unterstützung Kiews, gefordert.

Nun gut, im Moment – also bis zum Jahresende – wird Europa Geld für die Ukraine finden. Nicht alles und nicht sofort, aber Selenskij wird in dieser schwierigen Zeit seines Streits mit Trump nicht im Stich gelassen. Doch danach wird es erst richtig spannend, denn in Europa wird sich ein "herausragendes Ereignis" zutragen. Genau so bezeichnete Marine Le Pen die im Jahr 2027 anstehenden Wahlen in vier Schlüsselstaaten der Europäischen Union – Frankreich, Italien, Spanien und Polen. Überall wird ein Erfolg der rechtsgerichteten, nationalistischen, aber in Wirklichkeit euroskeptischen Kräfte erwartet, also jener Kräfte, die darauf abzielen, die Befugnisse der EU-Kommission einzuschränken. Somit steht der EU eine tiefgreifende interne Reform und zumindest eine Kurskorrektur, wenn nicht sogar ein Kurswechsel, bevor. Die Ukraine-Frage wird zu einem der Hauptthemen werden. Le Pen erklärte bereits, dass ein EU-Beitritt der Ukraine für Frankreich einem "Harakiri" gleichkomme und die finanzielle Unterstützung Kiews sechs Monate nach ihrem Machtantritt eingestellt werde:

"Wir verfügen nicht mehr über die finanziellen Mittel, um Hilfe zu leisten, die uns bisher sechs Milliarden pro Jahr gekostet hat."

Frankreich stehe am Rand der Staatsinsolvenz und müsse deshalb zunächst seine eigene Wirtschaft retten, sagte Le Pen. Daher werde sie sich gegen eine Finanzierung der Ukraine durch die EU stellen, sofern Frankreich dafür zusätzliche Ausgaben tragen müsse. Ist es aber vorstellbar, EU-Kredite ohne französische Beteiligung zu gewähren? Natürlich nicht, und Le Pen riet den ukrainischen Behörden, "sich an andere EU-Staaten zu wenden, die finanziell besser dastehen als Frankreich und diese Rolle höchstwahrscheinlich übernehmen könnten". Wer könnte das sein? Sicherlich nicht Italien und Spanien. Aber vielleicht Deutschland, das mächtigste und reichste Land der Europäischen Union? Weit gefehlt. Die Umfragewerte von Merz und der Regierungskoalition sinken auf einen Tiefpunkt, während die Vorsitzende der "Alternative für Deutschland" (AfD), Alice Weidel, unmissverständlich erklärt:

"Die weitere Finanzierung eines bereits verlorenen Krieges ist ein Fehler: Wir haben mehr als hundert Milliarden Euro ausgegeben […] Wir stecken in Schulden […] Dieser Krieg liegt nicht in unserem Interesse und stellt eine enorme Gefahr für unsere Sicherheit dar."

Aber Weidel und die AfD sind doch nicht an der Macht – kann Merz ihre Kritik also ignorieren und die Hilfe für die Ukraine erhöhen? Vielleicht. Der Preis dafür wäre jedoch ein noch schnellerer Anstieg der AfD-Umfragewerte und ein weiterer Absturz der Regierungskoalition. Das wiederum bedeutet neue Niederlagen bei Landtagswahlen – und bringt den Moment näher, in dem die Regierungskoalition zerfällt und vorgezogene Bundestagswahlen stattfinden, bei denen die AfD siegt und das gesamte deutsche politische System zusammenbricht. Berlin wird dieses Risiko zur Rettung Selenskijs kaum eingehen – zumal er ohnehin nicht zu retten sein wird.

Geld entscheidet natürlich nicht alles. Doch wenn es dem einzigen Verbündeten ausgeht, beschleunigt sich der Prozess merklich.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 17. Oktober 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.

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