Nahost

Ölpreis wieder auf Rekordkurs: Wie groß ist die Gefahr für die Versorgung?

Angriffe auf Saudi-Arabien, die Gefahr weiterer militärischer Eskalationen mit Iran und Risiken für wichtige Tankerrouten treiben den Ölpreis nach oben. Brent erreichte 116,72 US-Dollar je Barrel und damit den höchsten Stand seit Ende April dieses Jahres.
Ölpreis wieder auf Rekordkurs: Wie groß ist die Gefahr für die Versorgung?© Collage: RT/KI-generiert

Angriffe auf Saudi-Arabien, Gefahren für Tanker und die Unsicherheit über den weiteren Verlauf des Konflikts mit Iran haben den Ölpreis auf den höchsten Stand seit fünf Monaten getrieben. Die Nordseesorte Brent erreichte 116,72 US-Dollar je Barrel. Händler fürchten, dass weitere Angriffe die Förderung und den Transport von Rohöl beeinträchtigen könnten. Die Sorge vor Engpässen treibt die Preise bereits nach oben, bevor das Ausmaß möglicher Lieferausfälle feststeht.

Saudi-Arabien gehört zu den wichtigsten Ölförderländern der Welt. Angriffe auf Energieanlagen oder Exportterminals können deshalb weit über die Region hinaus Folgen haben. Berichte über Attacken auf saudische Ziele haben die Nervosität an den Märkten verstärkt. Für Händler zählt vor allem die Frage, ob die Ölproduktion ungestört weiterlaufen kann und ob das Rohöl seine Abnehmer zuverlässig erreicht.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die Straße von Hormus. Durch diese Meerenge wird ein erheblicher Teil des weltweit gehandelten Erdöls transportiert. Werden Tanker bedroht oder müssen Schiffe ihre Routen ändern, steigen Versicherungsprämien und Transportkosten. Auch die Schifffahrt durch das Rote Meer und die Meerenge Bab al-Mandab ist Gefahren ausgesetzt. Selbst bei laufender Förderung kann eine unsichere Passage die Versorgung verteuern.

Die Ölexporte aus dem Nahen Osten haben sich zuletzt teilweise erholt, liegen aber weiterhin unter dem Niveau vor dem Krieg mit Iran. Neue Angriffe nähren Zweifel daran, ob sich die Lieferströme weiter normalisieren können. In einem angespannten Markt reichen bereits Befürchtungen über künftige Ausfälle, um den Preis deutlich steigen zu lassen. Fällt die Förderung in mehreren Regionen zugleich, wird es schwieriger, fehlende Mengen auszugleichen.

Jede diplomatische Annäherung zwischen Washington und Teheran kann den Druck vom Ölmarkt nehmen. Händler rechnen dann mit geringeren Gefahren für Förderanlagen, Tanker und wichtige Exportwege. Kommt es dagegen zu neuen Angriffen und bleiben Fortschritte am Verhandlungstisch aus, dürfte die Furcht vor einem knapperen Angebot die Preise erneut nach oben treiben.

Für Verbraucher und Unternehmen sind die Folgen steigender Rohölpreise unmittelbar spürbar. Benzin, Diesel und Heizöl können teurer werden. Höhere Transportkosten verteuern zudem die Herstellung und Lieferung zahlreicher Waren. Unternehmen müssen diese Mehrkosten selbst tragen oder an ihre Kunden weitergeben. Damit wächst der Druck auf Haushalte und Betriebe, während höhere Energiepreise auch die Inflation anheizen können.

Für die weitere Preisrichtung kommt es darauf an, ob die Öllieferungen aus dem Nahen Osten gesichert bleiben. Können Förderanlagen ungestört arbeiten und Tanker ihre Ladungen ohne längere Unterbrechungen transportieren, dürfte ein Teil des Risikoaufschlags wieder verschwinden. Werden weitere Energieanlagen beschädigt oder wichtige Seewege blockiert, drohen dagegen neue Preissteigerungen.

Der Ölmarkt reagiert derzeit empfindlich auf Nachrichten aus dem Nahen Osten, weil die Region für die weltweite Energieversorgung von zentraler Bedeutung ist. Die hohen Preise spiegeln nicht nur die aktuelle Verfügbarkeit von Rohöl wider, sondern auch die Sorge, dass sich die Versorgungslage weiter verschlechtern könnte. Solange die Sicherheit der Förderanlagen und Transportwege nicht gewährleistet ist, dürfte der Ölpreis stark auf neue Nachrichten reagieren.

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