
Risikokapital in Berliner Rüstungsstartups ‒ Für den Profit der Reichen gehen sie über Leichen

Die Rüstungsindustrie in Deutschland boomt. Davon profitieren nicht nur klassische Waffenkonzerne wie Rheinmetall und deren Aktionäre. Auch die deutsche Autoindustrie rüstet für den lukrativen Waffenhandel um. Zudem gibt es viele Neueinsteiger und Startups, die sich ein Stück vom Kuchen sichern wollen.
Am Mittwochabend informierten der Friedensaktivist Mari von der Informationsstelle Militarisierung (IMI e.V.) sowie Chris von der Berliner Friedenskoordination (FRIKO) und der DKP im Berliner Veranstaltungszentrum "Der Raum" über den Stand der deutschen Rüstungs-Startup-Szene und die Motive von Investoren aus dem Risikokapitalsektor.

Am 25. Dezember vergangenen Jahres erklärte der Berliner Senat, Berlin solle zum "Defense Hub" (Verteidigungszentrum) ausgebaut und zum europäischen Leuchtturm der "Def Tech" (Verteidigungstechnologie) werden. Allerdings habe der Umbau von einer zivilen Wirtschaft hin zu einer Kriegswirtschaft in Deutschland bereits im Jahr 2022 begonnen, erklärte Mari zu Beginn seines Vortrags. Seitdem seien auch die Startups im Rüstungsbereich sehr schnell gewachsen. Als bekanntester Standort galt bislang München. Die bayerische Stadt solle nun als Vorbild für die Startup-Szene in Berlin und anderen deutschen Metropolregionen dienen.
Die Ukraine als Testfeld für moderne Kriegsgeräte
Die Ukraine diene nach Aussage der ukrainischen Regierung als Testfeld für eine "moderne Kriegsführung" mit modernen Waffen, die dort nach Belieben getestet würden. Dabei sei es für die "Tester" quasi auch von Vorteil, dass für diesen "modernen Krieg" unendlich große Mengen an Drohnen benötigt würden. Im Jahr 2025 habe sowohl die russische als auch die ukrainische Seite täglich zwischen 5.000 und 9.000 Drohnen eingesetzt. 70 Prozent der getöteten Soldaten seien durch Drohnenbeschuss ums Leben gekommen.
Für Risikokapitalinvestoren lasse sich mit diesem enormen Waffenverbrauch und den ständig zu verbessernden und erneuernden Tötungsgeräten viel Geld verdienen. Dazu zitierte Mari eine Aussage des Münchner Unternehmens Quantum Systems:
"Alle Kunden profitieren davon, dass wir in der Ukraine täglich unsere Technik upgraden."
Dazu müsse man wissen, dass die klassischen Investitionsfelder in den vergangenen Jahren massiv eingebrochen seien, so Mari. Aktuell gebe es nur in der Robotik- und in der Rüstungsbranche große Wachstums- und Gewinnchancen. Deshalb seien sowohl die Fortsetzung des Ukraine-Kriegs als auch die Weiterentwicklung KI-gestützter Waffensysteme für die Branche so entscheidend.
Bereits vor zwei Jahren, am 8. Februar 2024, veröffentlichte das Time Magazine dazu eine große Reportage. Darin beschreibt Vera Bergengruen, wie Unternehmen wie Palantir, Microsoft, Amazon und Google die Ukraine als Testfeld für künstliche Intelligenz in der modernen Kriegsführung nutzen – insbesondere zur Zielerfassung und Datenanalyse auf dem Schlachtfeld.
Laut dem Magazin Wirtschaftswoche gilt das Münchner Startup-Unternehmen Helsing als eines der "wertvollsten" europäischen Startups im Bereich Verteidigungs-KI ("Defense Tech"). Es hat sich auf den Einsatz künstlicher Intelligenz in Rüstungsgütern spezialisiert. Auf Basis von Investorenkapital wird sein Wert auf 12 bis 14 Milliarden Euro geschätzt. Der Chef des Unternehmens, Dr. Gundbert Scherf, arbeitete zuvor bei der US-amerikanischen Unternehmensberatung McKinsey. Im KI-Bereich arbeitet dort zudem ein ehemaliger leitender Techniker von Palantir. Helsing erhält Großaufträge von der Bundeswehr.
Risikokapitalinvestoren haben in die Fortsetzung des Ukrainekriegs investiert
Von der Bundeswehr bestellte Drohnen würden aus dem deutschen Bundeshaushalt finanziert und in großen Mengen an die Ukraine geliefert. Die vermögenden Risikokapitalinvestoren in die neue deutsche Rüstungsstartup-Branche rechneten fest mit einer Fortsetzung des Krieges in der Ukraine – andernfalls seien ihre Investitionen verloren. Mari brachte es wie folgt auf den Punkt:
"Wenn Frieden in der Ukraine ist, sind diese ganzen Risikokapitalinvestitionen und der entsprechende Unternehmensaufbau in den Sand gesetzt."
Das will die EU-Kommissionspräsidentin offenbar verhindern. Ursula von der Leyen habe zuletzt die Einrichtung eines "Drohnenwalls" für den gesamten Kontinent angekündigt, erläuterte Mari. Am Waffengeschäft beteiligten sich auch die deutsche Autoindustrie mit ihren zwei Millionen Mitarbeitern sowie diverse Dual-Use-Unternehmen (Unternehmen mit ziviler und militärischer Produktion).
In München wurden zwischen 2023 und 2026 rund 1,7 Milliarden Euro in Rüstungsstartups investiert. Im gleichen Zeitraum flossen in Berlin lediglich 69 Millionen Euro in Startup-Unternehmen im Rüstungsbereich. Das soll sich nach der Ankündigung des Berliner Senats im Dezember nun ändern. Mari fasste das Geschäftsmodell der Investoren in die Rüstungsstartups wie folgt zusammen:
"Aus dem deutschen Haushalt werden Waffen bezahlt an eine mächtige Clique, die ihr Geld damit verdient, dass die ganze Zeit Menschen sterben."
Akteure in der Berliner Rüstungsstartup-Szene
Im zweiten Teil der Veranstaltung berichtete Chris von der FRIKO und dem Berliner Landesvorstand der DKP über die Akteure in der Berliner Rüstungsstartup-Szene.
Ende April wurde in Berlin das "TechHUB Sicherheits- und Verteidigungsindustrie Ost" ("TechHUB SVI Ost") gegründet. Dabei handele es sich um eine gemeinsame Initiative von Politik und Wirtschaft, um Berlin als Standort für Verteidigungstechnologie zu stärken. Die Rüstungsplattform diene als Schnittstelle zwischen Tech-Startups, der etablierten Industrie, der Forschung und der Bundeswehr, um Innovationen – insbesondere Dual-Use-Technologien – schneller marktreif zu machen. Träger seien unter anderem die Berliner Senatskanzlei und die Industrie- und Handelskammer Berlin.
Wie schon der Name sage, fördere das TechHUB SVI Ost nicht nur Rüstungsstartups in Berlin, sondern quasi in ganz Ostdeutschland. Zurzeit gebe es im Raum Berlin und im Bundesland Brandenburg 130 in der Rüstungsbranche tätige Unternehmen mit rund 26.000 Beschäftigten und einem jährlichen Volumen von acht Milliarden Euro. Darüber hinaus wirtschafteten in der Region noch 400 sogenannte Dual-Use-Unternehmen.
Eines der bekanntesten Berliner Startups im Rüstungsbereich sei das Unternehmen Stark Defense, gegründet im Jahr 2024. Einer der führenden Berliner Risikokapitalinvestoren sei wiederum das Unternehmen Project A. Die Firma sei mit dafür verantwortlich gewesen, dass Verteidigungstechnologie in der Berliner Investorenszene salonfähig wurde. Project A investiere offensiv in den Bereich "europäische Resilienz" und sei unter anderem am Drohnenhersteller Quantum Systems beteiligt.
Bereits im Jahr 2017 wurde mit dem Cyber Innovation Hub der Bundeswehr (CIHBw) die erste digitale Innovationseinheit eines Bundesministeriums gegründet. Sie fungiert als zentrale Innovationseinheit des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) und als Schnittstelle zwischen der Startup-Szene und den Streitkräften. Der Hub sucht gezielt nach innovativen Technologien aus der Startup-Welt, die militärische Herausforderungen lösen können. Er soll dafür sorgen, dass digitale Lösungen für das Militär mit hoher Geschwindigkeit zur Einsatzreife gebracht werden.
Neue Berliner Industrieparks beherbergen Kriegsproduktionen
Auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel entsteht unter dem Namen Berlin TXL eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas. Das Areal ist in zwei Hauptbereiche unterteilt. Einer davon, die sogenannte Urban Tech Republic, ist ein Forschungs- und Industriepark.
Noch sei die "Urban Tech Republic" primär auf zivile Technologien ausgerichtet, beherberge inzwischen aber zunehmend auch Defence- und Dual-Use-Unternehmen. So dienten beispielsweise die ehemaligen Start- und Landebahnen des Flughafens Tegel als offizielles Erprobungsgelände für unbemannte Luftfahrtsysteme. Berlin plane bereits, das Areal gezielt als "Defence Hub" zu etablieren.
Das Unternehmen "Germandrones" nutzt die ehemaligen Frachthallen des Flughafens für die Produktion und Entwicklung der Kriegsdrohne "Songbird". Derzeit arbeite man daran, die Drohne auch mit Sprengladungen auszustatten.
Als Beispiel für Dual-Use-Produkte nannte Chris die Entwicklung einer neuen Drohne für Schwerlasttransporte. Ursprünglich sei die Transportdrohne für den zivilen Bereich geplant gewesen, inzwischen plane man jedoch bereits, wie mit dem neuen Flugobjekt Materialtransporte in Kriegsgebiete durchgeführt werden könnten.
Rüstungsstartups in den Berliner Industrieparks Marienpark und Adlershof
Zwei weitere Industrieparks in Berlin sollen künftig Rüstungsstartups beherbergen oder tun dies bereits: der Marienpark in Berlin-Mariendorf und der Technologiepark Adlershof. Im Marienpark werde ein sogenannter "Resilience Technology Campus" aufgebaut. Mithilfe der dort gewonnenen Forschungsergebnisse solle die Resilienz der Bevölkerung in Kriegszeiten gestärkt werden. Im Technologiepark Adlershof hätten sich beispielsweise in den Bereichen Photonik, Optik und IT bereits einige Dual-Use-Unternehmen angesiedelt.
In Deutschland gebe es das besondere Modell der außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten sich die meisten Universitäten mittels sogenannter Friedensklauseln zu ausschließlich ziviler Forschung verpflichtet. Für die Rüstungsforschung habe man daher private Institute gegründet, etwa das Helmholtz-Zentrum oder das Institut für Luft- und Raumfahrt. Alle diese privaten Forschungseinrichtungen seien in Adlershof vertreten.
Die Aufrüstung in Berlin habe auch Folgen für die Zivilgesellschaft. Da es sich bei den neuen Startups um sicherheitsrelevante Produktionen und kritische Infrastruktur handele, werde die Stadt zunehmend stärker überwacht. Die Überwachung betreffe am Ende nicht nur die Kriegswirtschaft, sondern alle Bereiche der Stadt. Eine Totalüberwachung sei prägend für eine Kriegsgesellschaft. Letztendlich folge die Aufrüstung der Logik des Kapitals, stellte Chris fest, und erklärte:
"Wo es Geld gibt, wird die Industrie aktiv."
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