
Russische Botschaft zeigt Mordaufruf gegen Russen in Berliner Galerie an

Seit dem 1. Mai 2026 hing im Schaufenster einer Berliner Galerie ein Aufruf, Russen umzubringen – und Tausende Menschen gingen täglich daran vorbei. Dass sich zunächst niemand daran störte, mag darin begründet sein, dass der Mordappell auf Ukrainisch war. Erst der russischsprachige Telegram-Kanal Папочка канцлера ("Kanzlerdaddy") machte den ungeheuerlichen Vorgang am vergangenen Mittwoch öffentlich.

In einem Eckfenster der Galerie Thomas Schulte wird eine Installation des libanesisch-US-amerikanischen Künstlers Walid Raad präsentiert, die im Vordergrund einen umgestürzten gelben VW zeigt. Auf einer Wand im Hintergrund sind von Soldaten unterschiedlicher Herkunft stammende Graffiti zu sehen, die diese auf Bomben geschrieben haben sollen. Das Ganze dient der Galerie als Inszenierung "aggressiver Demonstrationen nationalistischer, imperialistischer und gewalttätiger Gesinnung" vermittels "chaotischer, vielschichtiger Inschriften".
Auf der für die Passanten linken Seite findet sich in senkrecht hochgestellter Schrift der ukrainische Satz "Найкращий подарунок ‒ мертва русня" ‒ eine völlig unkommentiert gelassene Aussage. Der Satz besagt, dass das beste Geschenk in toten Russen bestehe – oder genauer: "totem russischem Abschaum", denn "русня" (Rusnja) ist ein abwertender Begriff. Laut Auskunft der Galerie sollte die Installation – samt dem Mordaufruf – noch bis zum 20. Juni zu sehen sein.

Ein Aufruf, der zwar bisher nicht in Deutschland, aber in Russland für Empörung sorgte. In einem Artikel für RT hatte der russische Schriftsteller Igor Malzew die Kunstaktion mit "deutschem Revanchismus" in Verbindung gebracht und konstatiert: "Es gibt Länder und Regime, die ihre Umgebung mit ihrem Hass wie mit einer Seuche anstecken." Es handele sich um die "unaufdringliche Legalisierung der Sehnsüchte des deutschen Bürgers, dem jeden Tag von allen Seiten – vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen bis zu den Zeitungen – ungefähr dasselbe Mantra eingetrichtert wird, nur mit anderen Worten".
Malzew prangerte auch die Doppelstandards der deutschen Behörden an. In der BRD verbotene Slogans mit Bezug auf den Palästina-Konflikt erkenne man in Deutschland sofort, selbst wenn sie auf Arabisch geschrieben seien, und schreite polizeilich dagegen ein. Dass im Fall des ukrainischen Mordaufrufs unter dem Deckmantel der Kunst Hass geschürt werden dürfe, lasse tief blicken. Dass der Satz auf Ukrainisch geschrieben sei, biete den Deutschen dabei eine fadenscheinige Entschuldigung: "Na ja, das sind ja nicht wir, das sind die Ukrainer."
Die russische Botschaft wollte es nicht einfach hinnehmen, dass mitten in Berlin ein antirussischer Hassaufruf prangt. Über ihre Kanäle in den sozialen Medien gab sie am Freitag bekannt, Anzeige erstattet zu haben. Man sei "erschüttert und empört über die öffentliche Verbreitung von Aufrufen, die Gewalt, interethnische Feindseligkeit und Hass" schürten.
Deshalb fordere man die Berliner Staatsanwaltschaft dazu auf, "den möglichen Straftatbestand der Volksverhetzung, der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten sowie beleidigender Äußerungen gegenüber einer bestimmten ethnischen Gruppe zu prüfen". Auch an die Eigentümer der Galerie erging demnach die Forderung, die Aufschrift unverzüglich zu entfernen.
Videos in den sozialen Medien zufolge ist die Galerie dieser Aufforderung der russischen Botschaft bereits nachgekommen. Darin ist zu sehen, wie eine Person mit einer Art Schrubber im Inneren der Galerie zumindest einen Teil der Hassbotschaft entfernt. Dies geschah am Freitag, dem 22. Mai 2026 ‒ der Tag des Angriffs auf Starobelsk. Für die ermordeten Jugendlichen von Starobelsk und deren Eltern ist der Mordaufruf "Найкращий подарунок – мертва русня" zur bitteren Wirklichkeit geworden.
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