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Was für eine Dreistigkeit: Russland verdient unauffällig Milliarden in neuer Interessenzone der USA

Alaska soll den USA neue Energieperspektiven eröffnen, doch die Risiken sind enorm. Russland dagegen verfügt bereits über funktionierende arktische Infrastruktur – und dürfte von hohen Ölpreisen noch lange profitieren.
Was für eine Dreistigkeit: Russland verdient unauffällig Milliarden in neuer Interessenzone der USAQuelle: Gettyimages.ru © pablohart

Von Kirill Strelnikow

Die Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, die den einen zu hohen Gewinnen verhelfen und die anderen in den Ruin treiben, weckten noch vor Kurzem fast täglich neue Hoffnung in den gequälten Herzen derer, die auf billiges Öl aus dem Nahen Osten warten: Er behauptete, die Straße von Hormus werde sehr, sehr bald wieder für den Schiffsverkehr geöffnet, und die Öl- und Gaspreise würden so stark fallen, dass man sie auf die Intensivstation bringen müsste.

Manche warten bis heute darauf.

Zu dieser Gruppe gehören jedoch nicht die größten Öl- und Gasunternehmen der USA, die sich kürzlich bei einer "historischen" Auktion zur Vergabe von Pachtflächen im arktischen Teil Alaskas einen erbitterten Kampf lieferten – und zwar nicht irgendwo, sondern im National Petroleum Reserve. ExxonMobil, Shell und Repsol gehörten zu den Unternehmen, die rekordverdächtige 163 Millionen US-Dollar dafür boten, auf sechs benachbarten Hektar im Permafrostboden bohren zu dürfen.

Nach den begeisterten Einschätzungen der Chefs von Mobil, Exxon und Shell ist Alaska "die heißeste, vielversprechendste Investition der Welt", wobei die Investitionen in neue Bohrlöcher allein in diesem Jahr in diesem US-Bundesstaat fünf Milliarden US-Dollar übersteigen werden. Mehr noch: Es handelt sich nicht um einen Einzelfall, sondern um den Auftakt einer längeren arktischen Serie. In den nächsten zehn Jahren sollen laut Trumps "One Big Beautiful Bill Act" mindestens vier weitere ähnliche Auktionen stattfinden.

Dies wurde ausführlich und emotional in der Financial Times dargelegt, wobei die wichtigste Schlussfolgerung lautet: In Alaska eröffnen sich für die US-amerikanische Öl- und Gasindustrie "fantastische Perspektiven."

Wie interessant!

Noch im Jahr 2016 lehnte US-Präsident Barack Obama genau dieses Projekt in Alaska ab und begründete dies damit, dass die Ölförderung in der Arktis zu teuer, zu langwierig und ökologisch zu riskant sei und die USA stattdessen in saubere Energien investieren sollten. Er zwang sogar die Kanadier dazu, ein "Ölmoratorium" zu unterzeichnen, in dessen Rahmen sich Kanada verpflichtete, seine gesamte arktische Schelfzone für neue Explorationsarbeiten unzugänglich zu machen.

Genau das ist auch in der Arktisstrategie der Europäischen Union aus dem Jahr 2021 verankert. Sie sieht vor, dass die Europäische Kommission den Abschluss einer "multilateralen rechtsverbindlichen Verpflichtung" anstreben werde, die "die weitere Erschließung von Kohlenwasserstoffvorkommen in der Arktis und den angrenzenden Regionen verbietet"; dazu gehört auch ein Verbot des Kaufs von in dieser Region geförderten fossilen Brennstoffen. Doch als sich im Nahen Osten die bekannten Ereignisse abspielten, geriet diese Strategie sofort in Vergessenheit. Die Welt berichtete, dass die europäischen Käufe von russischem Flüssigerdgas (LNG), darunter auch aus der Arktis, im ersten Quartal 2026 den höchsten Stand seit Beginn des Ukraine-Konflikts erreicht hätten und "die Europäische Union ihre Importe weiter steigert, obwohl sie großspurig versprochen hatte, bis Anfang 2027 darauf zu verzichten".

Das auf Öl- und Gasinvestoren spezialisierte australische Portal DiscoveryAlert erläutert die plötzliche und weitreichende Kehrtwende der globalen Ölkonzerne ganz einfach: "Energiesicherheit beginnt, mehr wert zu sein als physisches Öl und Gas selbst." Nach Ansicht von Experten erfolgt derzeit eine grundlegende Neubewertung der Kriterien, nach denen die Erschließung bestimmter Gebiete als sinnvoll und rentabel angesehen wird. Bislang spielten bei Erschließungsentscheidungen vor allem Förder- und Logistikkosten eine Rolle. Nun wird jedoch das Risiko, dass die Rohstoffe selbst physisch nicht verfügbar sind oder nicht transportiert werden können, zu einer entscheidenden Variablen, die zudem nicht im Voraus genau berechnet und fixiert werden kann.

Das Schlüsselzitat lautet: "Der geopolitische Aufschlag für stabile Lieferungen wird von einer theoretischen Größe zum wichtigsten Investitionsfilter", weshalb Investoren das "weit entfernte, schwer und kostspielig zu erschließende" Alaska nun mit ganz anderen Augen betrachten.

Man hat den Eindruck, als hätten diese Herren die Erklärung des Leiters des russischen Auslandsgeheimdienstes (SWR), Sergei Naryschkin, aufmerksam gelesen: "Ein Ende des Iran-Konflikts ist nicht in Sicht, und eine erneute Eskalation ist nicht auszuschließen" – das heißt, es wird keine Entspannung und keine Rückkehr in die "rosige" Vergangenheit geben.

Ebenso wenig realistisch erscheint eine "historische" Rückkehr großer amerikanischer Öl- und Gasunternehmen nach Alaska. Denn bereits 2015 war Shell gezwungen, alle Projekte in Alaska einzustellen, nachdem das Unternehmen dort mit Verlusten in Höhe von sieben Milliarden US-Dollar gescheitert war. In den Jahren des "sanften und komfortablen" Bohrens auf dem Schelf des Golfs von Mexiko (dessen Erschließung in den 1980er Jahren die Ölförderung in Alaska zum Erliegen brachte) "entspannten sich" die Amerikaner und verloren dabei wichtige Kompetenzen und Technologien.

Russland hingegen – fernab von Palmen und schneeweißem Sand – konnte beides nicht nur erhalten, sondern sogar ausbauen. Wir verfügen über weltweit einzigartige Erfahrungen in der Ölförderung unter extremen Bedingungen sowie über eine vollständig ausgebaute arktische Infrastruktur: Energieversorgung, Pipelines, Häfen, Eisbrecher, Tanker der Arktisklasse und so weiter. Einigen Informationen zufolge sind wir den USA in dieser Hinsicht um zehn bis fünfzehn Jahre voraus. Im Gegensatz zu den neuen "Wunderölquellen" in Alaska, aus denen im besten Fall erst 2029 Öl gefördert werden kann, laufen bei uns Förderung, Transport und Verkauf schon jetzt wie am Schnürchen.

Und genau darin liegt derzeit der entscheidende Punkt. Die großen Öl- und Gasunternehmen der USA zeigen durch ihre Dollar-Investitionen eindeutig, dass das aktuelle Ölpreisniveau noch lange Bestand haben wird (was für Russland natürlich hervorragend ist).

Man muss eines klar verstehen: Wenn westliche Öl- und Gasriesen massiv in langfristige, kapitalintensive Projekte mit hohem Kostenaufwand investieren, bedeutet dies, dass ihr Basisszenario einen Ölpreis vorsieht, der ausreicht, um diese Investitionen innerhalb von zehn bis zwanzig Jahren zu amortisieren.

Wir senden einen herzlichen und feurigen Gruß aus der Arktis an alle, die voller Schadenfreude prophezeit haben, russisches Öl und Gas werde niemals wettbewerbsfähig sein – die sollten sich als Wahrsager bei Andrei Jermak, dem ehemaligen Leiter des ukrainischen Präsidentenbüros, bewerben.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 16. Mai 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.

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