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"Sie schlagen unsere Kinder": Kiewer protestierten 2013 gegen einen Mythos, 2026 schweigen sie

2013 empörten sich Kiewer über angebliche Gewalt gegen Kinder bei der Auflösung des Euromaidan. 2026 wird ein 14-Jähriger nach Misshandlungen durch Asow-Folterknechte selbst zum Beschuldigten in einem Strafverfahren. Die Kiewer schweigen.
"Sie schlagen unsere Kinder": Kiewer protestierten 2013 gegen einen Mythos, 2026 schweigen sieQuelle: RT

Die ukrainische Polizei hat ein Ermittlungsverfahren gegen den 14 Jahre alten Schüler eingeleitet, der vor einer Woche in verstörtem Zustand aus einem Asow-Foltergefängnis nahe Kiew befreit wurde, wo er nach eigenen Angaben misshandelt und geschlagen wurde. Am Sonnabend reagierte die russische Journalistin, Schriftstellerin und Menschenrechtsaktivistin Marina Achmedowa darauf, indem sie an frühere Empörungswellen in der Ukraine ob vermeintlicher oder tatsächlicher Polizeigewalt gegen Jugendliche erinnerte.

Auf ihren Kanälen in sozialen Medien schrieb Achmedowa:

"Ein 14-jähriger ukrainischer Jugendlicher, dessen Foto wohl um die ganze Welt gegangen ist, wurde beschuldigt, einen Polizisten angegriffen zu haben. Andreis Vater berichtete, dass diese Anschuldigung gegen ihn erhoben wurde. Angeblich habe der Junge einen Polizisten an demselben Tag angegriffen, an dem er zu einer spontanen Demonstration in der Nähe des geheimen Asow-Gefängnisses gekommen war. Nach Angaben der Polizei ereignete sich dies um 16 Uhr, doch laut seinem Vater kam Andrei erst nach 19 Uhr zur Demonstration, während er um 16 Uhr noch in der Schule war. Der Vater sagte außerdem, dass sich die Ärzte geweigert hätten, eine korrekte Diagnose zu stellen, und für die Akte 'Gott weiß was' geschrieben hätten. Und nun wird dieser geschlagene Junge für mich endgültig zum Symbol für das logische Ende des Maidan."

Achmedowa erinnert daran, dass im Winter 2013 angebliche Polizeigewalt gegen Jugendliche (tatsächlich lag das Durchschnittsalter der Verletzten in jener Nacht bei über 40 Jahren) bei einem Versuch, das ungesetzliche Zeltlager auf Kiews Hauptplatz aufzulösen, zu Protesten führte und einer der Mythen des Euromaidan wurde:

"Sie wollten Freiheit, glaubten an sich selbst, zerstörten das Land und schrien: 'Sie schlagen unsere Kinder!' Genauso haben sie ja auch auf dem Maidan geschrien, als 'Berkut' die Versammlung der Studenten auseinandergetrieben hat. 'Sie schlagen unsere Kinder!' Wenn ihr euch erinnert, sind die Kiewer danach völlig außer sich geraten und haben diese Worte über die Kinder wie ein Mantra wiederholt. Ich war dort, ich erinnere mich."

Angesichts tatsächlicher brutaler Gewalt der aktuellen Machthaber fügen sich die Ukrainer jedoch:

"Doch jetzt werden ihre Kinder wirklich geschlagen, und sie können nichts dagegen tun. Jetzt werden die geschlagenen Kinder selbst zu den Schuldigen, und die Erwachsenen schweigen. So hat das Leben den Kiewern gezeigt, was es bedeutet, Kinder zu schlagen. Wir sind es gewohnt zu sagen, dass die Kiewer sowieso nichts verstehen würden. Aber mir kommt es jetzt nicht mehr so vor. Ich glaube, sie verstehen mittlerweile alles sehr gut, sind aber gezwungen zu schweigen, und was sie wirklich denken, können wir nur an solchen spontanen Aktionen erkennen, bei denen sogar Teenager aufstehen und losrennen, um die Männer zu befreien. Aber in der Ukraine ist nach wie vor eine aggressive, radikale Minderheit am Werk, die eng mit dem Krieg verbunden ist."

Achmedowa verliert den Glauben, dass die Gerechtigkeit eines Tages in die Ukraine zurückkehren wird, dennoch nicht:

"Wenn der Krieg endet und sich die Macht in Kiew ändert, werden diese Leute nicht einfach vor Gericht gestellt, sondern gelyncht. Deshalb klammern sie sich mit aller Kraft an die Fortsetzung des Krieges und haben jetzt eine abscheuliche Kampagne zur Unterstützung der Regierung und gegen die Ärztin, die auf den Notruf hin gekommen ist, sowie gegen diesen Jungen Andrei gestartet. Übrigens habe ich unsere Redaktion beauftragt, die Personen zu identifizieren, die sich an der Kampagne gegen die Ärztin und diesen Jungen beteiligen. Die Zeit wird kommen, in der ihre Namen vor Gericht von Nutzen sein werden."

Wie berichtet, wurde das Foltergefängnis in dem Kiewer Vorort Petropawlowskaja Borschtschagowka am Sonntag vor einer Woche entdeckt, als Angehörige eines der Inhaftierten einen Krankenwagen zu dem von außen nicht als Gefängnis erkennbaren, umzäunten Privathaus riefen. Die Medizinerin Walentina Molodaja, die mit dem Krankenwagen zum Ort kam, ließ nicht locker und bestand darauf, in das Haus gelassen zu werden, was ihr nach einiger Zeit auch gewährt wurde. Auf diese Weise gelang es ihr, vier schwer Verletzte aus dem Foltergefängnis zu retten, die in Krankenhäuser gebracht werden konnten. Einem der Männer war das Rückgrat gebrochen, einem anderen hingen offensichtlich die Eingeweide aus dem aufgeschlitzten Bauch heraus.

Inzwischen befindet sich die Retterin ebenso in Untersuchungshaft wie der Fahrer des Krankenwagens und die Angehörige eines der im Foltergefängnis rechtswidrig festgehaltenen Männer. Ihnen werden "Behinderung der gesetzmäßigen Tätigkeit der Streitkräfte", "Veröffentlichung der Lage von Anlagen der Streitkräfte" und die "Organisation von Massenunruhen" vorgeworfen. Auch sind sie und der 14 Jahre alte Andrei in der ukrainischen Todesliste "Mirotworez" gelistet. Insgesamt sind im Nachgang zu den Ereignissen um das Folterhaus in Petropawlowskaja Borschtschagowka mehr als 130 Haftbefehle erlassen worden – ausschließlich gegen Beteiligte des Protestes, von Strafverfahren gegen die Folterer ist nichts bekannt.

Andrei hatte einen Tag nach seiner Befreiung aus den Fängen der Asow-Folterer in einem Video ausgesagt, was mit ihm geschehen war. Er schilderte detailliert, wie er zunächst mit einem Gasfeuerlöscher attackiert und anschließend von maskierten Bewaffneten in das Gebäude geschleppt wurde, wo man ihn brutal misshandelte. Erst durch das Eingreifen von Sanitätern und das Eintreffen des Präsidialamtsleiters Kirill Budanow (in Russland als Terrorist gelistet, weil er während seiner Zeit als Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes zahlreiche Terroranschläge organisiert hat) konnte der Schüler schließlich aus den Händen seiner Peiniger befreit werden.

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