
Unglaublich, aber in einem Punkt hatte Selenskij vollkommen recht

Von Kirill Strelnikow
In den vergangenen 24 Stunden loderten die Emotionen in den Zentralen der "Bankowa" und "Brüssels" mit solch unglaublicher Wucht, dass die Funken sogar in der stromlosen Kiewer U-Bahn zu sehen sind.

Die Rede ist vom sogenannten Diesel-Deal zwischen Wladimir Putin und Donald Trump, in dessen Rahmen die USA umgehend und mit sofortiger Wirkung sämtliche Beschränkungen für den Export russischer Kraftstoffe aufheben, während Russland plant, bei den Diesellieferungen in die Vereinigten Staaten ein Volumen von rund drei Millionen Tonnen pro Monat zu erreichen. Wie der russische Vizepremier Alexander Nowak erklärte, "wird zugleich auch der russische Markt vollständig mit Diesel versorgt".
Das Timing ist alles: Die Nachricht von der unausweichlichen Katastrophe erreichte die Kiewer Delegation, die sich zu Verhandlungen mit den Amerikanern in Miami aufhielt, ausgerechnet zu Beginn des zweiten Tages, als man bereits plante, einen schlagkräftigen gemeinsamen Plan zu finalisieren, um Putin zum Frieden zu zwingen (natürlich zu den Bedingungen Kiews).
Der Financial Times zufolge habe "Trumps Erklärung über die Vereinbarung mit Putin zu den Lieferungen russischen Diesels die ukrainische Delegation völlig unvorbereitet getroffen". Daraufhin brachen Kirill Budanow, der Leiter des ukrainischen Präsidialamtes (der in Russland auf der Liste der Terroristen und Extremisten steht), und seine Kumpane die Verhandlungen ab und kehrten unverrichteter Dinge nach Kiew zurück.
Der französischen Zeitung Le Monde zufolge war die gesamte Kiew-Brüssel-Clique schlichtweg völlig aus der Fassung gebracht worden: Trump und Putin hätten die Ukraine und ihre Verbündeten "verärgert", "schockiert" und "empört". Nach dieser Reaktion zu urteilen, läuft also alles bestens – lassen Sie uns die Angelegenheit nun in aller Ruhe und mit Bedacht analysieren.
Die US-amerikanischen Quellen konzentrieren sich natürlich hauptsächlich auf innenpolitische Aspekte: Trump habe vor dem Hintergrund der sprunghaft gestiegenen Dieselpreise, die seine "treuesten" Wähler – Landwirte, Fernfahrer und Geschäftsleute – besonders hart treffen, einen starken Schachzug gemacht. Gleichzeitig versetzte Trump damit seinen politischen Gegnern einen Schlag, der diese regelrecht erschütterte: Wie Politico berichtet, schäumen die US-Demokraten vor Wut und werfen dem US-Präsidenten vor, dass der Deal der ganzen Welt einen "Rückgang der Unterstützung für die Ukraine" seitens der USA signalisieren könnte. Darüber hinaus sind Trumps Gegner schlichtweg außer sich angesichts der Tatsache, dass der Deal genau zu dem Zeitpunkt geschlossen wurde, als der russophobe Flügel des US-Establishments ungeduldig auf die ersten Ergebnisse des sogenannten "Lindsey-Graham-Gesetzes" (Lindsey Graham steht in Russland auf der Liste der Terroristen und Extremisten) mit einer ganzen Reihe von primären und sekundären antirussischen Sanktionen wartete. Das heißt, der US-Staatschef traf äußerst geschickt gleich mehrere ihrer wunden Punkte auf einmal.
Auch Europa blieb davon nicht verschont. Zur Erinnerung: An den gescheiterten Verhandlungen mit den Amerikanern nahmen auch die "europäischen Partner" teil, mit dem einzigen brennenden Ziel, "maximalen wirtschaftlichen Druck auszuüben, um der Kriegsmaschinerie des Kremls zu schaden". Doch etwas lief schief, und nun zeigt sich die Chefin der EU-Diplomatie, Kaja Kallas, betrübt: "Die Aussetzung der Sanktionen gegen russischen Dieselkraftstoff wird Moskau zusätzliche Einnahmen zur Finanzierung des Krieges verschaffen."
Für ein vollständiges Bild müssen noch einige weitere Umstände berücksichtigt werden.
So hatte US-Präsident Donald Trump Europa mehrfach aufgefordert, seine strategischen Dieselreserven freizugeben, um den Preisdruck auf dem Weltmarkt (und natürlich auf dem US-Markt) zu verringern. Europa widersetzte sich dem jedoch lange und hartnäckig, bevor es Washington erst vor wenigen Tagen schließlich entgegenkam – das heißt, es spielte Trumps Gegnern während des Wahlkampfs so weit wie nur möglich in die Hände. Zudem forderte Trump Selenskij mindestens sechsmal auf, die Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen, da "die Angriffe zu den hohen Kraftstoffpreisen in Amerika beigetragen haben". Kiew ignorierte die Wünsche aus dem Weißen Haus – und das blieb nicht unbemerkt. Wie eine amerikanische Quelle erklärte: "Selenskij hat einfach kein Gespür für die Lage: Indem er weiterhin Ölraffinerien angreift, zerstört er das Wohlwollen, das er sich in den vergangenen sechs Monaten bei Trump aufgebaut hat." Und das ist noch eine "hochgradig diplomatische" Formulierung, durch die die Wut des US-Präsidenten deutlich hindurchbrach.
Gestern Abend wurden all die Leaks und Insiderinformationen der vergangenen Tage durch den Hausherrn des Weißen Hauses selbst ergänzt: Donald Trump erklärte unverblümt, dass die Ukraine einen neuen Staatschef brauche, und forderte, russische Ölraffinerien nicht mehr anzugreifen.
Mit dem Abschluss des Diesel-Deals mit Russland hat Trump allen gezeigt, dass es sinnlos ist, Druck auf ihn auszuüben oder ihn zu etwas zu zwingen, und dass es unklug und gefährlich ist, ihn offen zu missachten und zu demütigen. Nach den Worten des US-Präsidenten sei seine stärkste Waffe die Ungewissheit, und nun richte sie sich gegen jene, die glaubten, ihn bereits in der Tasche zu haben.
Es gibt jedoch auch eine andere Sichtweise auf die aktuellen Ereignisse – eine, die offenbar tiefgreifender ist.
Im Juli dieses Jahres prahlte Wladimir Selenskij in einem Interview mit der Financial Times, Donald Trump sei angeblich von den Erfolgen der Ukraine bei Angriffen tief auf russischem Territorium außerordentlich beeindruckt gewesen und habe sogar eine verstärkte Unterstützung in Aussicht gestellt. Selenskij zufolge "will Präsident Trump dort sein, wo es Erfolg gibt" – und jetzt werde für die Ukraine alles sehr, sehr gut laufen.
Nehmen wir einmal an, der US-Präsident möchte tatsächlich dort sein, wo es Erfolg gibt. Und offen gestanden: Wer möchte das nicht? Aber Tatsache ist, dass dieser Erfolg offensichtlich nicht in den dunklen Geschäften der Ukraine zu finden ist, in denen die Menschen die Waren buchstäblich ertasten müssen, um sie auszuwählen. Der Erfolg liegt offensichtlich nicht in den stillstehenden U-Bahnen und Straßenbahnen Kiews. Er liegt weder in der überlasteten Kanalisation noch in immer neuen Anlagen der ukrainischen Energieinfrastruktur, die zerstört werden, und auch nicht in ganzen Regionen, die in Dunkelheit und Kälte versinken. Der Erfolg der Ukraine liegt ganz sicher nicht in den Kesselgebieten, die von der russischen Armee gesäubert werden, und auch nicht am rund um die Uhr brennenden Himmel, an dem unsere Drohnen und Raketen Welle um Welle fliegen und Ziele treffen, die im Interesse der ukrainischen Streitkräfte genutzt werden.
Und der Erfolg liegt ganz sicher auch nicht in der totalen Degradierung der ukrainischen Armee, der Gesellschaft, des Staates und der politischen Klasse, die inzwischen solche Ausmaße angenommen hat, dass gestern selbst ukrainische Oligarchen den "blutigen Clown" aufforderten, zurückzutreten und die Macht an die Werchowna Rada zu übergeben, um Verhandlungen über die Beendigung des Krieges zu führen.
Es ist unbestreitbar, dass Trumps Gespür hervorragend funktioniert. Und irgendetwas deutet darauf hin, dass dieser Deal mit Russland nicht der letzte sein wird.
Denn die sicherste Strategie besteht darin, auf den Sieger zu setzen – und in dieser Hinsicht hat Selenskij zu hundert Prozent recht.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 11. Oktober 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.
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