
Sanktionen und scharfe Regulierung: US-Unternehmen Nielsen plant den Russland-Rückzug

Das weltweit tätige Marktforschungsunternehmen Nielsen verhandelt derzeit über den Verkauf seines Geschäfts in Russland. Dies berichtet die Zeitung Iswestija unter Berufung auf einen Partner des Unternehmens sowie auf eine Quelle, die der russischen Niederlassung nahesteht.
Das US-amerikanische Unternehmen Nielsen ist seit dem Jahr 1994 in Russland tätig, wo es das Verbraucherverhalten im Bereich der Konsumgüter des täglichen Bedarfs untersucht und Statistiken für die Marktteilnehmer bereitstellt. Bis zum Jahr 2000 baute das Unternehmen im Rahmen der Entwicklung von Partnerschaften mit den größten Handelsketten – X5 Retail Group, "Magnit", "Lenta", "Dixy", "Metro" und anderen – eine Infrastruktur zur Erfassung von Daten über den Einzelhandelsumsatz auf. Ihr wichtigstes Kapital sind Panel-Daten zu Verbraucherpräferenzen, die von den größten Einzelhändlern und Herstellern für die Preisgestaltung, die Sortimentspolitik und das Marketing genutzt werden. Die Umsätze des Unternehmens auf dem russischen Markt waren stets stark – selbst als es der Muttergesellschaft im Ausland nicht besonders gut ging. Und das Unternehmen war stets bestrebt, die russischen Gesetze einzuhalten. So lokalisierte Nielsen im Jahr 2019 sein Geschäft in Russland und gründete eine eigene juristische Person – die "Nielsen Data Factory" LLC. Die Zeitung Iswestija schreibt:
"Nach den Ergebnissen des Jahres 2025 belief sich ihr Umsatz nach russischen Rechnungslegungsstandards auf drei Milliarden Rubel, was einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahr entspricht; der Nettogewinn stieg im gleichen Zeitraum fast um das Vierfache auf 1,5 Milliarden Rubel. Bei der Muttergesellschaft, der LLC AC Nielsen, sank der Umsatz um 31 Prozent auf 2,3 Milliarden Rubel; der Nettoverlust belief sich auf 124 Millionen Rubel gegenüber einem Gewinn von einer Milliarde Rubel im Jahr 2024, wie aus dem Jahresabschluss nach russischen Rechnungslegungsstandards hervorgeht."

Dennoch führt das Unternehmen Verhandlungen über den Verkauf seiner russischen Tochtergesellschaft und beabsichtigt, sich aus dem russischen Markt endgültig zurückzuziehen. Wie mit dem Thema vertraute Quellen berichten, waren die US-Sanktionen ein – wenn auch nicht der Hauptgrund – dafür. Unter den Gründen für den Verkauf des Geschäfts nennt Ekaterina Kosarewa, geschäftsführende Gesellschafterin der Agentur "VMT Consult", in erster Linie regulatorische Aspekte, die mit einem hohen Risiko der Verletzung US-amerikanischer Gesetze verbunden sind. Im Jahr 2025 habe das Unternehmen damit begonnen, Daten über neue Regionen Russlands zu sammeln, was einen Risikobereich darstelle.
Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war jedoch das russische Gesetz über Beschränkungen der Geschäftstätigkeit ausländischer Unternehmen. Wie Julia Sagornowa, Partnerin bei dem Beratungsunternehmen "B1" und Leiterin der Abteilung für M&A-Dienstleistungen, feststellt. Nach den Änderungen des Bundesgesetzes Nummer 351 ist es ab dem 1. März des Jahres 2026 verboten, Marktforschungsstudien bei Unternehmen mit einem ausländischen Anteil von mehr als 20 Prozent und einem Jahresumsatz von mehr als 800 Millionen Rubel in Auftrag zu geben. Zudem werden Anforderungen hinsichtlich der Datenverarbeitung innerhalb Russlands und der Aufnahme russischer Marktforschungsunternehmen in ein entsprechendes Register eingeführt. Für Nielsen bedeutet dies de facto, dass eine Fortsetzung der Geschäftstätigkeit in Russland in der derzeitigen Struktur unmöglich ist, merkte Julia Sagornowa an.
Wie Quellen von Iswestija berichten, verhandelt das Unternehmen bereits über einen Deal mit einem potenziellen Käufer, dessen Name nicht genannt wird.
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