Russland

Ex-Kurator der Venedig-Biennale übernimmt Leitung des Moskauer Museumsraums "GES-2"

Zum neuen künstlerischen Leiter eines Moskauer Museumsclusters wird der renommierte Kurator Francesco Bonami ernannt – eine Leitfigur in der Welt der westlichen Kunst. Und das ist aus vielen Gründen eine Sensation.
Ex-Kurator der Venedig-Biennale übernimmt Leitung des Moskauer Museumsraums "GES-2"Quelle: Sputnik © RIA Nowosti / Kirill Kalinnikow

Moskau entwickelt sich erneut zu einem globalen Zentrum der Kunst und bedeutende westliche Persönlichkeiten erlauben es sich wieder, die politische Agenda außer Acht zu lassen. So zum Beispiel der legendäre Francesco Bonami, der nach fünfjähriger Zusammenarbeit mit der Institution als Berater und Stratege zum künstlerischen Leiter des Museumsraums GES-2 ernannt wurde. Künftig wird er den allgemeinen künstlerischen Rahmen der Programmgestaltung festlegen und gemeinsam mit den Kuratoren die Arbeitsschwerpunkte bestimmen. Der überarbeitete Dreijahresplan von "GES-2" soll Ende 2026 vorgestellt werden.

Der Italiener Bonami ist einer der einflussreichsten Kunstexperten und Kuratoren weltweit. Und eine absolute Kultfigur. Bonami erlangte Anerkennung durch seine Essays und kuratorischen Projekte, die sich häufig mit den Wechselbeziehungen zwischen Kunst, Gesellschaft und städtischem Raum auseinandersetzen. Er wurde im Jahr 1955 in Florenz geboren und träumte zunächst davon, Künstler zu werden. Doch dann wandte er sich der Kunst von einer anderen Seite zu. Zunächst schrieb er über Kunst für amerikanische Zeitschriften, und bereits im Jahr 1995 übernahm Bonami die Leitung der Stiftung Sandretto Re Rebaudengo in Turin, seit 1997 die Leitung der Stiftung "Pitti Immagine" in Florenz, die sich mit der Erforschung der Wechselwirkungen zwischen Mode und Kunst befasst. Von 1999 bis 2008 leitete er das Museum für moderne Kunst in Chicago. Anschließend wurde er Chefkurator der 50. Jubiläumsausgabe der Biennale von Venedig.

Daher ist es ein gewisser Durchbruch, dass eine solche Person nun offiziell die Leitung einer der großen und zentralen russischen Museumseinrichtungen innehat. Zuletzt standen bis zum Jahr 2022 Personen dieses Kalibers an der Spitze von Kunstinstitutionen im Land. Danach mussten viele von ihnen unter dem Druck westlicher Botschaften und Politiker ihre Posten in Russland aufgeben – zum Beispiel der französische Choreograf Laurent Hilaire, der von 2017 bis 2022 die Balletttruppe des Moskauer Stanislawski-Opern- und Balletttheaters leitete.

Und es scheint, dass Bonami, der erstmals 2003 nach Russland kam, sich bei seinen künstlerischen und kuratorischen Plänen auf die russischen Spezifika stützen möchte, die er gut kennt und schätzt. So bemerkte er kürzlich in einem Interview mit dem Portal Interior.ru:

"Der gegenwärtige Moment ermöglicht es, sich von der Besessenheit vom internationalen Kontext zu befreien. Ich glaube, dass heute diejenigen interessant sind, die in der Lage sind, eine ganze Welt in sich selbst zu erschaffen und dann versuchen, diese Geschichte dem Rest der Welt zu erzählen. Genau das ist der großen russischen Literatur hervorragend gelungen, und ich habe das Gefühl, dass dies nach wie vor möglich ist. Oder dass es wahrscheinlich wieder möglich wird – in einer neuen Form des Selbstausdrucks."

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