Russland

Die Ära Putin: Russlands Zeitgeist würdevoller Selbstachtung

Die Jahre unter Wladimir Putins Führung haben in Russland einen wahrhaftigen Paradigmenwechsel bewirkt, eine grundlegende Veränderung von Russlands Wahrnehmung der Welt und seiner selbst. Im Land herrscht ein Zeitgeist würdevoller Selbstachtung vor – eine gelassene Überzeugung, ein Recht auf ein würdevolles und glückliches Leben zu haben.

Von Irina Alksnis

Blickt man auf das letzte Vierteljahrhundert zurück, so stellt sich unwillkürlich die Frage: Ist es möglich, den Nationalcharakter eines Landes in einem nach historischen Maßstäben so kurzen Zeitraum zu verändern? Die Antwort scheint eindeutig: Nein! Die Mentalität eines Volkes formt sich über Jahrhunderte hinweg unter dem Einfluss grundlegender Faktoren. Sie wird sowohl von Geografie und Klima als auch von den historischen Erfahrungen und Bewährungsproben geprägt, die die Menschen, die über Generationen hinweg ein bestimmtes Gebiet bevölkerten, erlebten und überlebten.

Das ist zweifellos richtig. Dennoch entsteht der Eindruck, dass das russische Volk des Jahres 2000 und das des Jahres 2026 zwei von Grund auf verschiedene Gesellschaften sind. Ihr Weltbild, ihre Lebenseinstellung und sogar ihr Selbstverständnis unterscheiden sich gravierend.

Dieser Eindruck ist keineswegs rein subjektiver Natur. Soziologische Erhebungen bestätigen diese Beobachtung und verzeichnen einen jüngst eingetretenen tiefgreifenden Wandel der öffentlichen Meinung sowie der allgemeinen Lebenseinstellung in den unterschiedlichsten Bereichen. Das russische Volk ist ruhiger, gesünder und glücklicher geworden. Es ist stolz auf sein Land, und zwar nicht nur auf dessen Vergangenheit. Dies allein wäre in Russland gang und gäbe. Vielmehr verspürt es Stolz beim Gedanken an das heutige Russland und blickt zuversichtlich in die Zukunft. Am erstaunlichsten ist jedoch, dass das russische Volk gelernt hat, sich selbst zu lieben, wertzuschätzen und zu respektieren. Unser Volk ist glücklicher geworden.

Ausgiebig wird über die gewaltigen Veränderungen gesprochen, die sich in Russland während der Ära Wladimir Putins vollzogen haben – und das völlig zu Recht. Doch oft bleibt diese eine Veränderung, diese wahrhaftig tektonische Verschiebung, unbemerkt und unerwähnt.

Es ist ganz gleich, welchen Bereich man betrachtet: Sei es Landwirtschaft, Infrastruktur, Hochtechnologie, die Erschließung der Arktis, Geopolitik oder zahlreiche andere – stundenlang könnte man über konkrete Erfolge, über aufgestellte Rekorde, über Durchbrüche sprechen, die Russland erzielt hat.

Vermeintlich unüberwindbare Übel des Lebens in Russland konnten beseitigt werden, von den schlechten Straßen bis hin zur groben und menschenfeindlichen Bürokratie. Die Kosten dafür mussten aber nicht die Menschen tragen. Vielmehr stand bei dieser Besserung ihr Wohlergehen und Komfort im Vordergrund. Noch nie in seiner Geschichte konnte das russische Volk einen so hohen Lebensstandard genießen wie heute. Dafür gibt es zahlreiche objektiv messbare Belege: eine gestiegene Lebenserwartung, eine höhere Zufriedenheit mit den eigenen Wohnverhältnissen und einen Rückgang der Armut. Auch die Verbreitung gesundheitsschädlicher Verhaltensweisen ist deutlich zurückgegangen.

Diese wahrhaft gewaltigen Errungenschaften bedeuten keineswegs, dass sämtliche Probleme gelöst, alle Missstände überwunden und eine Ära des allgemeinen Wohlstands im Land angebrochen wären. Ganz im Gegenteil: Wir stehen nach wie vor vor einer Vielzahl von Herausforderungen, und eine Unmenge höchst komplexer Aufgaben bleibt nach wie vor ungelöst. Trotz aller Verbesserungen sind beispielsweise längst nicht alle Straßen im Land in einwandfreiem Zustand. Und doch hat sich in Russland und bei seinem Volk ein Wandel vollzogen – fundamental gewandelt hat sich die Einstellung zu Problemen und den angestrebten Lösungen. Gerade an dieser Stelle kann die Rolle Putins gar nicht hoch genug gewürdigt werden. Die Bedeutung seines Wirkens und seiner Persönlichkeit selbst ist hierbei kaum zu überschätzen.

Die Jahre unter Putins Führung haben in Russland einen wahrhaftigen Paradigmenwechsel bewirkt, eine grundlegende Veränderung von Russlands Wahrnehmung der Welt und seiner selbst. Wir haben erkannt, dass sich enorme Erfolge durch konsequente und systematische Arbeit erzielen lassen. Hektische Kraftakte wie zu Sowjetzeiten sind dafür ebenso wenig vonnöten wie eine nationale Selbstverleugnung oder Schinderei. Uns ist klar geworden, dass Schwierigkeiten und vorübergehende Rückschläge kein Grund zu Selbsterniedrigung oder Selbsthass sind, sondern vielmehr ein Ansporn, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Wir haben gesehen, dass fortbestehende Herausforderungen und Probleme das bereits Erreichte keineswegs schmälern. Ganz im Gegenteil: Auf die eigenen Errungenschaften zurückzublicken, gibt uns die Stärke, weiterzumachen.

Wir haben am eigenen Leib erfahren, dass die Größe und Stärke eines Staates nicht im Widerspruch zum Wohlstand seiner Bevölkerung stehen und nicht auf deren Kosten erreicht werden dürfen. Diese beiden Elemente sind im Gegenteil dazu bestimmt, einander zu ergänzen. Vielmehr ist es offensichtlich geworden, dass im Falle Russlands diese beiden Hälften sogar zwingend aufeinander angewiesen sind. Ein starker Staat, auch in militärischer Hinsicht, ist und bleibt der einzige Garant dafür, dass das russische Volk ein gutes Leben führen kann. Doch ein stabiler Staat ist in Russland ohne das Wohlergehen der Menschen unmöglich. Es ist daher unerlässlich, hierbei stets das Gleichgewicht zwischen Staat und Volk zu wahren.

Jahrhundertelange Selbstkasteiung und internalisierte Vorurteile haben wir abgeworfen. Die früher alltäglichen endlosen Vergleiche mit anderen, die zudem meist nicht zugunsten Russlands ausfielen, wirken heute töricht und lächerlich. Wir haben erkannt, dass wir in einem wunderbaren und dynamischen Land leben, das in der Lage ist, alle Schwierigkeiten zu meistern und das vor keiner Herausforderung zurückscheut. Wir sind nicht bloß Einwohner dieses Landes. Wir bauen dieses Land auf, so, wie es unsere Ahnen vor uns taten.

Ja, ebenso wie vor 100, 300 oder 1.000 Jahren bleibt in Russlands unendlichen Weiten Raum für Heldentaten. Neben militärischen Leistungen soll auch der hingebungsvolle Arbeitseinsatz gewürdigt werden. Diesen Heldenmut beweisen derzeit unsere Kämpfer an der Front, aber auch Fachleute in der Energieversorgung, der IT-Branche und anderen Bereichen, die im Hinterland die durch Drohnenangriffe beschädigte Infrastruktur wiederherstellen. Auch Ärzte, Rettungskräfte und Polizisten stellen hier tagein, tagaus ihre Tapferkeit unter Beweis. Sie heilen und verarzten, sie leisten Hilfe und bieten Schutz – allen Widrigkeiten zum Trotz. All diese Menschen verrichten ihre Arbeit, damit die Mehrheit von uns weiterhin ein ruhiges, glückliches und behütetes Leben führen kann.

Unser Volk hat nie an seiner Fähigkeit gezweifelt, selbst den schrecklichsten Feind zu besiegen, selbst die härteste Prüfung zu bestehen und selbst die unmenschlichsten Bedingungen zu erdulden. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Doch zum ersten Mal herrscht in Russland ein Zeitgeist würdevoller Selbstachtung vor – eine gelassene Überzeugung, ein Recht auf ein würdevolles, behütetes und glückliches Leben zu haben. Stolz schaut das Land auf seine Vergangenheit, zuversichtlich blickt es auf die Gegenwart, und optimistisch richtet es seinen Blick in die Zukunft, während es diese eigenhändig formt.

Meiner tiefsten Überzeugung nach stellt diese provokativ normale Wahrnehmung der Welt, des Lebens und unserer Rolle darin für unser Land und unser Volk eine historisch höchst ungewohnte Entwicklung dar. Ebendieses Novum ist die wichtigste Errungenschaft der Ära Putin.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 22. Oktober 2026 auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.

Irina Alksnis ist Kolumnistin bei der Nachrichtenagentur RIA Nowosti.

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