Nahost

Iranischer Außenamtssprecher ruft BRD zum Kurswechsel auf und zitiert Schiller

Die Islamische Republik Iran fordert von der BRD eine Rückkehr zur früheren Diplomatie. Nach der wechselseitigen Einbestellung der Botschafter kritisierte Außenamtssprecher Baghaei die deutsche Iran-Politik als widersprüchlich. Zugleich ertönen Warnungen vor einer deutschen Kriegsbeteiligung gegen Iran.
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Die Rhetorik aus Teheran gegen die deutsche Außenpolitik wird schärfer. Rund eine Woche nach der gegenseitigen Einbestellung der Botschafter, die Deutschland vom Zaun gebrochen hatte, berichtet die iranische Nachrichtenagentur IRNA von einer Stellungnahme des iranischen Außenamtssprechers Esmail Baghai gegenüber dem deutschen öffentlich-rechtlichen Sender ARD. Das Interview ist bisher unveröffentlicht.

Laut der gestern veröffentlichten IRNA-Meldung macht das iranische Außenministerium der deutschen Außenpolitik historische Fehltritte und eine einseitige Anpassung an die US-Politik zum Vorwurf. In dem zitierten Interview zog der iranische Außenamtssprecher Baghai eine Bilanz der deutsch-iranischen Beziehungen, die gerade für die Kanzlerschaft von Friedrich Merz kritisch ausfällt.

In einer historischen Rückschau erinnerte Baghai daran, dass Deutschland einst als einer der bedeutendsten Handelspartner Irans fungierte und in dem vorderasiatischen Land ein großes Ansehen genoss. Mittlerweile sei jedoch das einst gewachsene Vertrauen durch frühere und aktuelle Entscheidungen Berlins schwer beschädigt worden.

Baghai ging dabei zurück bis in die Zeit des Ersten Golfkriegs von 1980 bis 1988, als deutsche Firmen dem gegen Iran Krieg führenden Irak unter Saddam Hussein Dual-Use-Chemikalien und Materialien zum Bau von Produktionsanlagen geliefert hatten. Ein Vorgehen, das dem irakischen Diktator letztlich Giftangriffe gegen Iran und gegen die Kurden in Halabdscha ermöglichte.

Auch in jüngster Zeit verfolge Berlin eine gegen Iran gerichtete Politik. Baghai nannte als Beispiel die diplomatische Unterstützung Deutschlands für die US-israelischen Kriege gegen Iran in den Jahren 2025 und 2026. Auch die Schließung der iranischen Generalkonsulate unter Merz’ Vorgängerregierung habe den Beziehungen geschadet.

Dennoch sieht Baghai die Beziehungen nicht irreparabel beschädigt. Der Außenamtssprecher verwies auf die rund eine halbe Million in Deutschland lebenden Iraner, die erfolgreich integriert seien und einen wertvollen Beitrag für Deutschland lieferten.

Auch habe die BRD früher durchaus ihren Beitrag zur Diplomatie geleistet, meinte Baghai, und verwies auf die Rolle der deutschen Diplomatin Helga Schmid, die im Jahr 2015 als Vertreterin des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD) maßgeblich zum Zustandekommen des Iran-Atomabkommens beigetragen habe.

Berlin sei nun zu einer grundlegenden Kehrtwende in seiner Nahost-Politik aufgerufen. Die BRD müsse entscheiden, ob sie verlorenes Vertrauen durch eine konstruktive Rolle wiederherstellen oder sich weiterhin bedingungslos der US-Politik anpassen wolle.

Zugleich kritisierte Baghai am Samstag auf seinem X-Account die irrationale und inkonsistente deutsche Außenpolitik unter Bundeskanzler Merz mittels eines Schiller-Zitats aus dem Theaterstück "Die Jungfrau von Orleans".

Einerseits habe Kanzler Merz im Juni 2025 erklärt, dass Israel die "Drecksarbeit" gegenüber Iran erledige, andererseits warne der deutsche Außenminister Johann Wadephul derzeit vor einer neuen Eskalation gegen Iran.

Wohl aus Gründen der diplomatischen Höflichkeit verzichtete Baghai darauf, auch den vorausgehenden Vers aus dem Schiller-Stück zu zitieren, der lautet: "Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens."

Dass Iran im Ernstfall bereit ist, nicht nur mithilfe von Schiller-Zitaten zu fechten, darauf deutet eine Meldung der iranischen Nachrichtenagentur Fars News vom Sonntagnachmittag hin. Demnach sollen iranische Stellen Deutschland davor gewarnt haben, in einen militärischen Konflikt mit Iran zu geraten. Die Folge eines BRD-Kriegseintritts wäre, dass "alle Kasernen und Einrichtungen in der Region, die mit Deutschland in Verbindung stünden, ins Visier genommen" würden.

Welche Einrichtungen genau damit gemeint sein könnten, erläuterte Fars News nicht. Die deutsche Bundesregierung hat erst jüngst den Bundeswehreinsatz im Irak verlängert, auch wenn der Einsatz bewaffneter deutscher Kräfte seit September 2026 beendet ist. Aber auch in Jordanien (Luftbetankung im Anti-IS-Einsatz) und im libanesischen Seegebiet (UNIFIL-Friedensmission) sind Bundeswehrsoldaten derzeit im Einsatz.

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